Neue Haut aus dem Labor: Wie die Brandopfer aus Crans-Montana behandelt werden
Shownotes
Nach schweren Brandverletzungen entscheidet ein Organ über Leben und Zukunft: die Haut. Seit dem Brand in Crans-Montana kämpfen Ärzteteams in der Schweiz und im Ausland um junge Patienten – und um ausreichend Haut, um ihre Wunden zu schützen.
Diese Folge von «NZZ Quantensprung» zeigt, warum Verbrennungen ab einem bestimmten Grad lebensgefährlich sind, weshalb einfache Verbände nicht ausreichen und wie Spenderhaut, Kunsthaut oder sogar Fischhaut Zeit gewinnen. Im Fokus stehen moderne Hauttransplantationen, ihre Grenzen bei grossflächigen Verletzungen und die Hoffnung, die im Labor gezüchtete Haut heute bietet.
Host: Lena Waltle (NZZ Wissenschaftsredaktion) Co-Host: Michael Brendler, Wissenschaftsjournalist und Mediziner
Gäste:
- Prof. Clemens Maria Schiestl, ehemaliger Leiter Plastische Chirurgie Kinderspital Zürich
- Adrien Daigeler, Leiter Verbrennungszentrum Tübingen
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Transkript anzeigen
00:00:04: Das ist Quantensprung.
00:00:06: Ein Podcast der NCZ
00:00:07: über Forschung,
00:00:08: die bewegt.
00:00:15: Dieses organen Haut, das nachzubilden, das ist eine wahnsinnige Aufgabe.
00:00:21: Ich meine, das ist ein Wunderwerk.
00:00:24: Dieses Wunderwerk ist der aktuellen meistgesuchte Rohstoff der Schweiz.
00:00:29: Über zwei Wochen ist der Brand in einer Bar in Gromontanein zwischenher.
00:00:34: Seit der Silvesternacht kämpfen Ärzte in der Schweiz, in Deutschland, in Italien, in Frankreich um das Leben der jungen Überlebenden.
00:00:42: Dafür brauchen sie vor allem eins.
00:00:44: Neue Haut, um die Verbrannte zu ersetzen.
00:00:47: Davon gibt es immer zu wenig.
00:00:49: Und deshalb tüfteln die Mediziner in Methoden, um Haut künstlich im Labor zu produzieren.
00:00:54: Und verfolgen gleichzeitig einen Traum.
00:00:57: Den Traum vom nicht mehr durch Narben entstellten Brandpatienten.
00:01:01: Das ist Quantensprung.
00:01:03: Ein Podcast der Wissenschaftsredaktion der NCZ.
00:01:07: Jede Woche prüfen wir eine Idee, die die Welt verändern könnte und was es noch braucht, um dort hinzukommen.
00:01:14: Diese Woche ist Michael Brändler mein Co-host.
00:01:16: Er ist Mediziner und begleitet eng den Gesundheitszustand der Brandopfer von Gromontana.
00:01:22: Gemeinsam mit ihm möchte ich heute herausfinden, wie Haut aus dem Labor leben rettet und wie in Zukunft Brandverletzungen behandelt werden können.
00:01:31: Ich bin Lena Waldler.
00:01:33: Willkommen.
00:01:35: Und eine der Antworten war unsere Vision.
00:01:37: Das heißt, wir schicken eine Biopsy ins Labor und dann kriegen wir so viel Haut, wie wir wollen und setzen das auf den Patienten drauf.
00:01:46: Und die Arbeit ist getan und der Patient ist gerettet.
00:01:49: Clemens Maria Schiestel ist der ehemalige Leiter der plastischen Chirurgie des Kindespitales Zürich.
00:01:54: Im Kiespie werden derzeit noch fünf schwer brandverletzte Jugendliche aus Gromontana behandelt.
00:02:00: Bei manchen ist über die Hälfte bei anderen bis zu achtzig Prozent ihres Körpers verbrannt.
00:02:06: Ihre Arme, Beine, das Gesicht, der Rücken.
00:02:09: Entscheidend ist nicht nur das Ausmaß, sondern auch die Tiefe der Verbrennung.
00:02:13: Stellt mein Kollege Michael Brenndler klar.
00:02:16: Es kommt auf den Verbrennungsgrad an.
00:02:18: Bei einer Verbrennung unterscheiden wir vier Grade.
00:02:20: Es gibt den Grad eins.
00:02:23: Da ist nur die oberste Schicht der Haut betroffen.
00:02:25: Die sogenannte Epidermis.
00:02:28: Die Epidermis muss nur nicht vorstellen, das ist sozusagen eine oberflächliche Schutzschicht aus verhornenen Zellen, die immer neu gebildet werden und wieder abgestoßen werden.
00:02:36: Bei so einer Grad Einzerbrennung, da ist die Haut gerötet vor allem, tut weh.
00:02:41: Da muss ich mir auch keine großen Sorgen machen, da werde ich keine Narben haben, das Verhalt von selbst.
00:02:46: Dann gibt es die sogenannte Grad zwei A-Verbrennung.
00:02:49: Da ist die Schutzschicht soweit zerstört, dass diese Brandblasen entstehen.
00:02:53: Halt auch narbenlos ab, kein Problem.
00:02:57: Dann gibt es die Grad IIb Verbrennung.
00:03:00: Da ist die nächste Schicht der Haut, teilweise mit zerstört, die sogenannte Dermis.
00:03:04: Die Dermis ist deshalb so wichtig, weil sie die wichtigen Strukturen der Haut enthält.
00:03:09: Schweißdrüsen, Haare, Blutgefäße, Nerven.
00:03:13: Wenn ich eine Grad IIb Verbrennung habe, dann wird meine Verbrennung auch schlechter ausgehen, dann werde ich eine Narbe bekommen.
00:03:20: Bei einer Grad III Verbrennung ist die Dermis vollständig zerstört.
00:03:23: Da ist dann eine Hauttransplantation auf jeden Fall nötig.
00:03:26: Und dann gibt es zuletzt noch die Grad IV Verbrennung.
00:03:29: Da ist dann auch das Unterhautfettgewebe, die sogenannte Subkutis, mit betroffen.
00:03:33: Und teilweise auch Muskeln, Sehen, Knochen, also die Gewebe darunter.
00:03:38: Ab einer Grad III Verbrennung ist die Verletzung wirklich gefährlich für den Körper.
00:03:43: Denn die verbrannte Haut muss entfernt werden.
00:03:45: Diese verbrannten Hautreste sonder nämlich giftige Stoffe ab.
00:03:50: Und was zurückbleibt, ist eine tiefe, offene Wunde.
00:03:53: Und nun ist dieser Patient allen, was da gräucht und fleucht und greibt und Bakterien, von ihm selber aus und dann raus, ist er letztendlich ausgesetzt.
00:04:03: Denn die Haut kann nun ihre wichtigen Aufgaben nicht mehr erfüllen.
00:04:06: Die Haut ist sogar ein Immunorgan, das heißt sie bekämpft eindringende Bakterien.
00:04:11: Die Haut ist entscheidend für die Temperaturregelung des Körpers.
00:04:14: Und sie enthält die Schweißdrüsen und über Schweiß wird ja auch Wärme abgeführt.
00:04:18: Die Haut hat Nerven, enthält Nerven, die Temperaturfühlung ermöglichen, Tastgefühle ermöglichen.
00:04:24: Die Haut hat die Flüssigkeit im Körper.
00:04:26: Die Haut ist unsere Hülle und unser großes Organ, ohne dass wir nicht leben können.
00:04:30: Idealerweise könnte so eine Wunde sofort mit einem Hauttransplantat verschlossen werden.
00:04:35: Doch dafür muss der Patient stabil sein und diese Hauttransplantate, die brauchen Zeit.
00:04:41: Deshalb muss eine Brandwunde in einem ersten Schritt schnellstmöglich
00:04:45: wieder abgedeckt werden.
00:04:47: Das große Problem an der Stelle ist ein Verband geht nicht.
00:04:53: Den Patienten einfach zu verbinden hat zur Folge, dass sich die Verbände auch ständig wechseln muss.
00:04:58: Das ist schlecht für die Veilung der Wunden.
00:04:59: Das schmerzt aber vor allem auch den Patienten.
00:05:02: Das kann man Patienten hier antun.
00:05:04: Deshalb hat man sich sozusagen so Ersatzverfahren überlegt.
00:05:07: Das erste Ersatzverfahren ist die sogenannte Spenderhaut.
00:05:13: Also muss ich vorstellen, ich nehme Haut von Toten, die gibt es in einer Bank in Holland zum Beispiel, die, nehm ich, die wird auf den Patienten quasi wie eine Art Pflaster gelegt.
00:05:25: Das Problem, diese gespendete Haut hält nicht ewig und die kann nicht ewig benutzt werden.
00:05:30: Nach zehn bis vierzehn Tagen beginnt unser Körper, die abzuschußen, wie auch andere Spenderorgane, zum Beispiel in ihre Abschgöste.
00:05:37: Nach zwei Wochen muss die Wunde also entweder durch eine neue Spenderhaut ersetzt werden oder mit einer Alternative abgedeckt werden.
00:05:45: Die Alternative wäre so eine Art biologisches Pflaster.
00:05:49: Das ist eine Art Kunsthaut, mit der der Patient dann eingekleidet werden kann, um ihn zu schützen.
00:05:55: Die besteht entweder aus körpereigenen Substanzen, also Proteinen, oder es gibt das Ganze auch noch in synthetischer Form.
00:06:02: Die haben den Vorteil, ich kann sie sogar drauf liegen lassen, ich muss sie gar nicht wechseln.
00:06:06: Denn dieses biologische Pflaster.
00:06:08: Diese Kunsthaut, die wächst einfach in die Haut ein und wird zu einem guten Nährboden für ein späteres Hauttransplantat.
00:06:16: Und diesen Vorteil, den hat auch eine Brückenlösung, die in Lausanne angewandt wird.
00:06:22: Die Fischhaut ist jetzt wirklich der neueste Schrei an Pflaster, das aus der Haut von Fischen hergestellt wird.
00:06:28: Und zwar wird die Haut so bearbeitet, dass da keine Zellen mehr drin sind, sondern sozusagen nur noch die Hautstrukturen übrig geblieben sind.
00:06:35: Damit wird der Patient sozusagen auch bedeckt, bekleidet.
00:06:39: Und hergestellt wird die zum Beispiel aus isländischem Kabeljau.
00:06:43: Das stimmt in sehr kalten Gewässern, wie man sich vorstellen kann.
00:06:46: Der ist mehr oder weniger bakterien- und virenfrei, kann deshalb nicht gefährlich werden.
00:06:51: Und in dieser Haut enthält zusätzlich sogar Omega-III-Moleküle, die den Zündungsherminten wirken.
00:06:57: Die Fischhaut enthält keine lebenden Zellen, genauso wenig wie die Kunsthaut.
00:07:02: Deshalb kann an diesen Stellen auch keine Haut von selbst nachwachsen.
00:07:07: Aber diese biologischen Verbände verhindern, dass Bakterien in die Wunde gelangen können.
00:07:13: Und sie verhindern auch, dass der Körper versucht, die großflächen Brandwunden zu verschließen.
00:07:18: Man darf um Gottes wählen, es dürfen.
00:07:20: die sekundären Wohnteilungsmechanismen dürfen nicht in Gang gesetzt werden.
00:07:24: Denn der Körper kennt bei großen Wunden nur einen Mechanismus.
00:07:28: Der Körper beginnt nämlich zum Beispiel so eine große Brandwunde zu vernarben.
00:07:33: Und so eine Narbe kann zum richtigen Problem werden.
00:07:37: Sie wird steif, das heißt die Haut fühlt sich steifer an.
00:07:40: Wenn ich das am Gelenk habe, kann das sogar auch die Bewegung behindern, teilweise Versteifengelenke sogar.
00:07:46: Also eine Narben Bildung ist sozusagen das, was der Plastischirurg unbedingt verhindern möchte.
00:07:50: Und das lässt sich nur verhindern, wenn man dem Körper signalisiert, Ersatzgewebe ist nicht nötig.
00:07:56: Es liegt schon wieder Haut auf der Wunde.
00:07:58: Die Spenderhaut, die Kunsthaut und die Fischhaut, die geben den Ärzten also Zeit, um eine längerfristige Lösung zu finden.
00:08:06: Haut, die dann die Wunde auch wirklich verschließt.
00:08:10: Und da gibt es verschiedene Möglichkeiten.
00:08:18: Die erste Möglichkeit ist, dass noch gesunde Haut vom Patienten selbst auf die verbrannte Stelle transplantiert wird.
00:08:26: Diese Technik nennt sich Spalthaut.
00:08:28: Die heißt deswegen Spalthaut, weil die obere Hautschicht abgespalten wird.
00:08:34: Mit einer Art elektrischem Kartoffelschäler, so kann man sich das vielleicht vorstellen.
00:08:38: Adria Daigela leitet das Verbrennungszentrum in Tübingen.
00:08:41: Auch er hat Brandopfer aus Grormontana behandelt.
00:08:44: Da ist die sogenannte Epidermis drin, das heißt die Deckhaut.
00:08:48: Und es ist ein bisschen was von der Dermis drin.
00:08:50: Das ist die Unterhaut.
00:08:52: Und die ist praktisch die stabile Auflagefläche für die Deckhaut.
00:08:57: Und wenn ich diese beiden Hautschichten gemeinsam verpflanze, erreiche ich damit eine sehr stabile Bedeckung, die auch ein Leben lang halten kann, wenn diese Hautverpflanzung eingewachsen ist.
00:09:08: Diese Technik wird meist bei kleinflächigen Verbrennungen genutzt.
00:09:11: Aktuell muss man sagen, das ist sozusagen immer noch die beste Lösung für einen Brandpatienten.
00:09:17: Es gibt keinen Transplantat, das so gut anwächst und so stabil ist, langfristig, wie ein Spaltautransplantat.
00:09:25: Nur, um eigene Haut auch die verbrannten Stellen zu verpflanzen, muss genügend unverbrannte Haut übrig sein.
00:09:33: Besonders gut dafür geeignet sind solche großen Flächen wie Oberschenkel, Rückenbrust, in der Not improvisieren, plastische Rogen aber auch, also man hat es auch teilweise schon von der Kopfhaut genommen.
00:09:44: Und diese Haut kann man teilweise sogar mehrfach entnehmen.
00:09:47: Das heißt, man entnimmt diese Spalthaut und dann wartet man etwas ab, dann wächst die Haut wieder an, dann kann man an der Stelle, weil man ja wegen Stellen häufig hat bei Bahnenpatienten, nochmal Haut entnehmen.
00:09:59: Der Nachteil ist, das kann man nicht ewig machen und die Haut wird auch von der Qualität immer schlechter.
00:10:04: Trotzdem liefern diese Spalthaut-Transplantate gute Ergebnisse.
00:10:09: Sie sind auch die natürlichste Lösung.
00:10:11: Und deshalb werden sie vor allem für das Gesicht, für die Hände, für die Fußsohlen, aber auch für die Gelenke verwendet.
00:10:18: Nur.
00:10:19: Wenn wir Verbrennungsoberflächen von über fünfzig Prozent oder mehr haben, dass es dann oft so ist, dass die Körper eigene Haut nicht ausreichend ist, um die Defekte zu bedecken.
00:10:30: Viele Opfer aus ganz Montana haben beispielsweise Verbrennungsverletzungen, die über dieses Verbrennungsausmaß hinausgehen.
00:10:36: Deshalb versuchen die Ärzte alles, um aus wenig Haut mehr zu machen.
00:10:40: Der häufigst angewandte Trick ist das sogenannte Meshen.
00:10:45: Das heißt, ich mache so eine Art, wie ein Maschentrat, so Schlitze in die Haut und kann dann die Haut auseinanderziehen.
00:10:53: Und diese auseinandergezogenen Haut lege ich dann auf den Körper, aber die bedeckt einen viel größeren Rahmen, einen viel größeren Raum, einen viel größeren Fläche.
00:11:01: Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Miig-Spalthaut.
00:11:05: Dazu lege ich diese Haut sogar noch, also die ursprüngliche Spalthaut in kleine Inseln.
00:11:10: und legt dann so eine Fläche mit vielen kleinen Inseln auf den, sagen wir mal, verbrannten Rücken.
00:11:16: Denn jetzt kann ich es dem Körper überlassen, die Lücken zwischen den Inseln und den Maschen zu füllen.
00:11:22: Und man kann das Ergebnis sogar noch verbessern oder zumindest auf eine Verbesserung hoffen, nämlich indem man so eine Art Hautspray benutzt.
00:11:31: Das ist ein Spray, in der sind ... Epidermis-Zellen, also Oberau-Zellen, aufgelöst.
00:11:36: Und wenn ich das Spree verteilt, sich das dann auf der ehemaligen Hautfläche, muss man leider sagen.
00:11:42: Und der Vorteil ist, wenn ich jetzt diese Maschendraht habe oder diese Indelchen, kann ich jetzt mit dem Spree in dem Zwischenraum das Zwischen noch mal Epidermis-Zellen säen.
00:11:52: Und das soll dann das Ergebnis des Heilungsprozesses verbessern.
00:11:56: Aber in gewissen Fällen reichen nicht einmal diese Tricks mehr aus.
00:12:00: Und deshalb greifen die Ärzte dann auf Haut aus dem Labor zurück.
00:12:04: So genannte C.E.A.s
00:12:07: Diese C.E.A.s, also die Kälscher Epicyclial Autographs, waren Anfang der achtzehn Jahre, als sie entwickelt wurden, eine Sensation.
00:12:16: Das wurde als der totale Durchbruch gefeiert.
00:12:18: Die plastischen Chirurgen, die verbrennenden Chirurgen, dachten erst mal, alle unseren Problemen sind gelöst, wir haben Hautnachschub, kein Hautmangel mehr.
00:12:25: Diese künstlich gezüchtete Haut besteht aus den Hautzellen des jeweiligen Patienten.
00:12:30: Das heißt, wir entnehmen unverbrannte Haut, beispielsweise aus der Leiste oder am Kopf.
00:12:35: Das schicken wir in ein spezielles Labor.
00:12:38: Dieser Prozess ist aufwendig, er ist teuer und er dauert drei bis vier Wochen.
00:12:42: Außerdem können nur eine Handvoll Labore so eine Haut überhaupt herstellen.
00:12:47: Dieses Hautstück wird aufgelöst chemisch, da werden die einzelnen Zellen rausgenommen, die einzelnen Epidermiszellen rausgenommen und die werden jetzt gezüchtet, die Patienteneigenden Epidermiszellen vermehrt, bis ich so viele Zellen zusammen habe, dass ich eine neue künstliche Haut daraus bilden kann.
00:13:03: Diese Haut wird dann an den Chirurgen wieder zurückgeschickt und die kann er verwenden, um den Patienten damit zu transplantieren, zu versorgen.
00:13:11: Das Problem an dieser gezüchteten Haut, sie besteht nur aus Oberhautzellen, also nur aus der obersten Hautschicht.
00:13:19: Diese Haut kann zwar die Wunde bedecken, sie heilt ein, aber sie ist häufig nicht stabil.
00:13:24: Man redet das Leben dieser Patienten, aber die Lebensqualität war wahnsinnig schlecht.
00:13:30: Wenn die Patienten sich im Bett bewegen, wenn sie Schuhe anziehen, das alles kann dazu führen, dass sich diese Haut wieder aufreibt.
00:13:37: Und dann waren wir enttäuscht, weil wir A. es nicht fertig gebracht haben, stabile Anwachsraten zustande zu bringen.
00:13:44: Und wenn wir es geschafft haben, war die Lebensqualität schlecht, weil die Haut immer wieder aufgegangen ist.
00:13:49: Das hat damit zu tun, dass die Verbindung zwischen Oberhaut und Unterhaut so instabil war.
00:13:55: Die waren wie Schmetterlingskinder.
00:13:58: Die haben wir hier angefasst, dann gingen wir auf.
00:14:00: Clemens Schiestel wollte es besser machen.
00:14:03: Er wollte eine Haut, mit der Kinder und Erwachsene leben können.
00:14:08: Die hält, die mitwächst, die weniger Narben bildet.
00:14:12: Das Problem ist, dass wir nur die Epidermis, die Oberhaut verpflanzt haben, wir müssen mindestens zwei Schichten verpflanzen.
00:14:19: Diese Zellen der Epidermis... brauchen immer noch die Zellen darunter, der Dermis, der Unterhaut, damit sie stabil liegen und sich mit dem Rest des Körpers verbinden können.
00:14:30: Sie züchten jetzt tatsächlich im Labor eine zwei-Schichtige Haut.
00:14:35: Die unten werden Bindegwebzellen, also die Bindegwebzellen, die die Dermis enthält, in einer Art Protein-Pudding gezüchtet, der ihnen auch Struktur verleiht und in dem sie sich einnisten können.
00:14:50: Und oben werden dann die Epidermizzellen drauf gestreut.
00:14:54: Das Ganze verbindet sich und ich habe letztendlich dann eine zwei Schicht, die schöne Haut, die ich transplantieren kann.
00:15:01: Dieser Haut ist viel ähnlicher zu der natürlichen Spalthaut, die verpflanzt wird.
00:15:05: Auch die besteht ja aus zwei Schichten.
00:15:07: Vor fünf Jahren transplantierte Clemens Schießtl eine zweischichtige im Labor gezüchtete Haut auf den vierzehnjährigen Julius.
00:15:15: Nach einem Brand waren ninety-fünf Prozent seiner Hautoberfläche zerstört.
00:15:20: Das Beste, was wir je im Labor produziert haben.
00:15:24: Der Fall Julius zeigte ihm, dieser Haut heilt gut ein.
00:15:27: Sie geht nicht mehr auf und sie wächst sogar mit.
00:15:30: Die Schweizer Firma Coutis stellt die Haut von Clemens Schiestel her und will sie bald auch an Kunden verkaufen.
00:15:35: Noch hat sie keine Zulassung und wird nur in Studien getestet.
00:15:39: Aber es gibt Gespräche, ob auch die Verbrennungsopfer aus Gromontana an diesen Studien teilnehmen könnten.
00:15:46: Das ist der Weg,
00:15:47: das ist das Licht am Ende vom Ton, dieser Haut ist
00:15:50: das Licht am Ende vom Ton.
00:15:56: Doch auch diese Technik wird ihre Narben hinterlassen.
00:15:59: Was wir bis jetzt erreicht haben, ist die schönste aller Narben, die schon nicht mehr aussieht wie eine Narbe und die in vielen, vielen, vielen Funktionen wie zum Beispiel der Stabilität oder nicht mehr funktioniert wie eine fragile Narbe.
00:16:13: Deshalb wird immer weitergeforscht.
00:16:15: Ein immer neuen Methoden.
00:16:16: Ein sehr interessantes Konzept ist das Konzept der sogenannten Fremdhaut.
00:16:20: Fremdhaut muss man unterscheiden, da reden wir nicht über die Spenderhaut, also die Haut von Toten, über die wir gerade geredet haben, sondern man würde dazu Haut nehmen, die in der kosmetischen Chirurgie ohnehin anfällt, dann zum Beispiel, wenn Hautfalten entfernt werden.
00:16:37: Das Problem bei dieser Haut ist, wie bei der Haut von Toten, die Haut wird von einem Körper vom Immunsystem als fremderkannt und abgestoßen.
00:16:46: Das heißt, was die Wissenschaftler aktuell zum Beispiel in der Uniklinikanofa versuchen, ist, diese Haut unkenntlich viel das Immunsystem zu machen.
00:16:55: Das versucht man mit chemischen Tricks, sodass die Immunzellen die Haut nicht mehr als fremd erkennen und der Körper deshalb diese Haut akzeptieren würde.
00:17:06: Ein anderes Konzept ist die Verwendung von Tierhaut, also von Schweinehaut.
00:17:10: Die müsste man allerdings auch genetisch verändern, mindestens genauso wie die Fremdhaut, damit der Körper sie nicht abschgößt.
00:17:16: Und dann gibt es noch das Konzept des drei D-Drucks.
00:17:19: Auch das ist jetzt noch ferne Zukunftsmusik, aber dass man sozusagen mit dem drei D-Drucker sich eine Haut mit ihren verschiedenen Schichten herstellt und druckt.
00:17:29: Die Vision ist, er kommt rein, er wird stabilisiert.
00:17:33: Man nimmt die verbrannte Haut weg, man nimmt eine Biopsy, schickt sie ins Labor und nach fünf, sechs, sieben Tagen bekommt man genügend Haut, um ihn zu decken.
00:17:43: Und nach zwei Wochen ist er berettet.
00:17:53: Michael, das ist eine sehr schöne Vision, die Clemens Schiestel da präsentiert.
00:17:59: Aber nach allem, was wir jetzt erfahren haben über die verschiedenen Möglichkeiten der Hauttransplantation, frage ich mich schon, kann diese gezüchtete Haut den wirklich die natürliche Haut ersetzen?
00:18:12: Da muss man jetzt ganz ehrlich sagen, noch laute die Antwort sicherlich nein.
00:18:17: Wir müssen uns vor Augen halten.
00:18:18: Die Haut, die hier transplantiert wird, so modern die Produktionsverfahren sind, so modern die Technik, ist immer noch weit entfernt von dem, was eine normale Haut ist.
00:18:28: Dafür fehlen ja viel zu viele Dinge.
00:18:29: Sie hat zum Beispiel keine Schweißdrüsen.
00:18:31: Das heißt, die Patienten werden immer noch Probleme haben, wenn sie joggen, die Hitze aus dem Körper abzuführen.
00:18:38: Die Haut ist nicht in der Lage.
00:18:40: Brauen das Pigment zu bilden, was der Körper nicht nur aus optischen Gründen braucht, sondern auch um sich von der UV-Strahlung zu schützen.
00:18:48: Die Haut hat keine Teigdrüsen, das heißt sie kann sich nicht fetten selber, sie muss von außen gefettet werden.
00:18:54: Die Haut hat keine Haare.
00:18:56: Was die Haut zwar auch nicht hat, was sich zum Glück aber wieder selber bildet, sind Nerven.
00:19:01: die wachsen teilweise in die Haut ein und sie fehlen vor allem auch nicht, weil man mit großen Erstauen festgestellt hat, die Haut enthält keinen Nerven, die Patienten spüren aber trotzdem etwas, also Tasten und Temperatur.
00:19:14: Und Blutgefäße enthält ihr auch nicht, die wachsen aber auch von unten langsam ein.
00:19:20: Die gute Nachricht ist, die Wissenschaftler am Kinderspital Zürich versuchen genau diese Probleme zu lösen.
00:19:26: Ist es denn wirklich ein lebenswertes Leben mit so einer transplantierten Haut?
00:19:31: Also, es gab vor dreißig Jahren mal eine Reportage.
00:19:36: Da sind Journalisten der Zeitschaftsgeo nach in die USA gefahren und haben sich angeguckt, was die Wissenschaftler oder die Ärzte, die damals als Erster dieses CIA-Haut, diese ganz dünne Epidermis-Haut anwendeten, wie das funktioniert hat, was aus dem Patienten geworden ist.
00:19:55: Und wenn man den Artikel so liest, kann man sich das Eindrucks nicht erwähren, die waren schockiert, weil die Wissenschaft waren jetzt zwar plötzlich in der Lage, Patienten zu retten, die vorhin die eine Chance gehabt hätten zu leben, aber teilweise waren die Namen so stark, dass sie nicht richtig bewegen konnten, sie waren instellt.
00:20:11: Teilweise auch die Ärzte selbst, so werden die zitiert, fragten, machen wir hier wirklich noch das Richtige mit dem Patient, tun wir den wirklich einen Gefallen?
00:20:19: Und da würde ich sagen, an dem Punkt sind wir vorbei, dem Punkt haben wir hinter uns.
00:20:23: Die Hauttransplantationen sind besser geworden.
00:20:25: Und was mir auch große Hoffnung macht, ist diese Haut aus Zürich.
00:20:29: Man hat zwar immer noch Narben, aber diese Patienten können wieder am Leben teilnehmen, weil sie alles machen können, weil sie sich bewegen können, weil die Haut weich ist.
00:20:38: Und damit ist es eigentlich nur vor allem eine Frage der Gesellschaft.
00:20:42: Also, wie gehen wir mit ihnen um?
00:20:44: Machen wir ihnen das Leben noch zusätzlich schwer?
00:20:46: Zeigen wir ihnen, dass wir sie auch mit Narben akzeptieren?
00:20:49: Da können, glaube ich, wir noch eine Menge an uns arbeiten.
00:20:51: Du warst jetzt in zwei Spitälern, in denen Patienten jugendlich aus Cromontana behandelt werden.
00:20:57: Wie geht es denn jetzt mit diesen Patienten weiter?
00:21:00: Unter den Patienten gibt es diejenigen, die wahrscheinlich nicht mehr so lange bleiben.
00:21:05: Ich glaube, sie werden aktuell noch operiert, aber es wird nicht mehr, die Heilungsprozess wird sich nicht mehr so lange hinziehen.
00:21:10: Das sind die Patienten mit den fünfzehn bis zwanzig Prozent in Verbrennung.
00:21:14: Es gibt aber auch die Patienten, die jetzt wirklich großen Verletzungen haben.
00:21:17: Sechzig, siebzig, achtzig Prozent.
00:21:19: Und bei den Patienten muss man davon ausgehen, die werden noch monatelang im Krankenhaus liegen.
00:21:25: Es wird immer wieder Operationen geben, weil man diese ganzen Transplantation nicht in einem Schritt machen kann.
00:21:30: Das würde die Patienten viel zu sehr belasten.
00:21:32: Das macht der Körper nicht mit.
00:21:34: Teilweise muss man noch nachbessern.
00:21:36: Positiv ist sicherlich, diese Patienten sind jung.
00:21:39: Junge Patienten können solche Belastungen körperlich besser wegstecken.
00:21:43: Und der Haltungspazier verläuft auch besser.
00:21:46: Die zweite gute Nachricht ist, sollte man auch unbedingt betonen, sie sind in guten Hennen.
00:21:51: Es gibt viel Erfahrung und viel Wissen, wie man mit solchen Verbrennungspatienten umgeht.
00:21:57: Das macht Mut, das macht
00:21:58: Hoffnung.
00:22:00: Wie es nach dem Brand in der Silvesternacht in Gromontana weitergeht.
00:22:03: Damit haben sich meine Kollegen beschäftigt.
00:22:06: Die Artikel habe ich euch in den Show Notes verlinkt.
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00:22:11: Denn Quantensprung gibt es nicht nur zu hören, sondern auch zu lesen.
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00:22:21: Das war Quantensprung, ein Podcast über Forschung, die bewegt.
00:22:25: Ich bin Lena Waldmann.
00:22:26: Nächste Woche hören Sie meine Kollegin Anna Weber bei NZZ Quantensprung.
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