Brain-Computer-Interfaces: Wie Michael den Computer mit Gedanken steuert

Shownotes

Michael “Michi” Mehringer hat einen Stecker im Hinterkopf. Seit einem Moped-Unfall als Jugendlicher ist er vom Hals abwärts gelähmt. Jetzt hat er als erster Querschnittsgelähmter in Europa eine Hirn-Computer-Schnittstelle mit 256 Elektroden im Gehirn. Mit ihr trainiert er, einen Computer-Cursor und sogar einen Roboterarm allein mit seinen Gedanken zu steuern.

In dieser Folge besuchen wir Michi am TUM Klinikum rechts der Isar in München. Wir schauen den Forschern bei der Arbeit über die Schulter und erklären, wie Hirn-Computer-Schnittstellen funktionieren: Wie lesen Elektroden elektrische Signale aus Nervenzellen aus? Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz beim Übersetzen von Gedanken in Befehle?

Gleichzeitig diskutieren wir die grossen Visionen rund um Hirnchips – von medizinischen Anwendungen bei Lähmungen oder Schlaganfällen bis zu den ambitionierten Ideen von Firmen wie Neuralink. Könnte man eines Tages Sprache direkt aus dem Gehirn lesen? Oder sogar das Bewusstsein digital speichern?

Host: Anna Weber, NZZ-Wissenschaftsredaktorin Co-Host: Georg Rüschemeyer, NZZ-Medizin- und Biologieredaktor Produktion: Sarah Ziegler

In dieser Folge hörst du ausserdem: ·       Michael Mehringer (Patient mit Hirnimplantat) ·       Melissa Zavaglia (Neuroingenieurin) ·       Bernhard Meyer (Neurochirurg)

Du kannst Quantensprung nicht nur hören – sondern auch lesen. Im Newsletter findest du die wichtigsten Fakten aus dieser Folge auf einen Blick und zusätzlich noch weiteren Lesestoff.

Lust auf noch mehr digitale Inhalte der NZZ? Probier`s drei Monate aus.

Transkript anzeigen

00:00:00: Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert von NZZ Live.

00:00:03: Wir machen den Journalismus der NZZ-Erliebbar!

00:00:10: Das ist Quantensprung, ein Podcast über Forschung die bewegt.

00:00:26: Unser Unfall war am XXIII.

00:00:29: April.

00:00:33: Ich war kurz in der Bank weil ich Geld abholen wollte und dann wollte ich wieder nach Hause.

00:00:44: Kurz Michi.

00:00:46: Er ist sechsundzwanzig Jahre alt, hat kurze braune Haare ein großes Lächeln und er ist vom Hals abwärts gelehmt.

00:00:55: Mit sechzehn hatte er einen schweren Unfall auf seine Moped.

00:00:58: Er wollte gerade die Hauptstraße überqueren

00:01:01: Und ich habe einmal geschaut und die komplette Hauptstrasse war komplett leer.

00:01:09: nicht ein Automat zu sehen

00:01:12: Nur Hinter einem großen Baum am Straßenrand versteckt, war eben doch ein einzelnes Auto auf der Straße unterwegs.

00:01:19: Und das hat Michi voll erwischt!

00:01:22: Wie ihn gibt es viele Patienten – aber Michi ist besonders.

00:01:26: Er ist der erste Querschnittsgelähmte in Europa mit einer Hirncomputer-Schnittstelle.

00:01:32: Einem Chip im Hirn.

00:01:34: Dieser Chip soll Michi wieder Selbstständigkeit schenken.

00:01:38: Er soll damit einen Körser auf den Bildschirm steuern können und sogar einen Roboterarm bewegen.

00:01:44: Und das alles nur mit der Kraft seiner Gedanken.

00:01:48: Natürlich ist mein innerer Wunsch, mit dem Komplett selbstständig zu werden...

00:01:56: Das Gehirn direkt mit einem Computer zu verkabeln klingt nach Science-Fiction!

00:02:02: Aber für ein paar dutzend Menschen ist es bereits Realität.

00:02:06: Auch in den USA wurden nämlich schon Menschen solche Chips ins Gehirne implantiert Und gelähmten, ein wenig Eigenständigkeit zurückzugeben?

00:02:15: Das ist noch das bescheidenste Ziel der Forschung.

00:02:18: Langfristig soll die Technologie noch viel mehr ermöglichen.

00:02:22: Zum Beispiel Ausfälle nach Schlaganfällen, dass man sich vorstellt, sie ersetzen zu können diese ausgefallenen Hirnfunktionen.

00:02:27: und man kann sich auch in der Psychiatrie irgendwie Anwendungen vorstellen.

00:02:32: Dann gibt es eben noch die ganz große Vision, die zum Beispiel Elon Musk mit seiner Firma Newerling beschreibt nicht nur Teilfunktion des Gehirns, sondern das ganze Bewusstsein sozusagen abgreifen kann.

00:02:44: Das Bewusstsein Abhören sogar herunterladen und so digitale Unsterblichkeit in der Cloud erreichen – ist das wirklich möglich?

00:02:55: Das ist Quantensprung ein Podcast aus der Wissenschaftsredaktion der NZZ.

00:03:00: Jede Woche unterhalten wir uns über eine Idee die die Welt verändern könnte… Und was es noch braucht um dort hinzukommen!

00:03:07: Diese Woche ist Georg Rieschemeier mein Co-Host.

00:03:10: Er schreibt bei der NZZ über Medizin und Biologie.

00:03:13: Wir wollen wissen, was können solche Chips im Hirn wirklich?

00:03:17: Ich bin Anna Weber Willkommen!

00:03:25: Es ist kurz vor elf an einem Freitagvormittag in Februar.

00:03:31: Michi ist per Fahrdienst aus seinem Heimatdorf bei Rosenheim ans Klinikum rechts der Isar in München gekommen.

00:03:38: Hier trifft er das Team von Simon Jakob dem Neurotechnologen, der Michi betreut Und heute trifft er auch Georg.

00:03:45: Der Anfang ist erst mal ganz entspannt, da wird erst mal Kaffee gemacht und dann geht es halt daran ihn bereit zu machen für die Trainingssession.

00:03:52: Das Forscher-Team wird Michi's Gehirn mit dem Computer verbinden Und dazu hat Michi einen Stecker am Hinterkopf.

00:03:59: Dieser Stecker ist so vielleicht zwei ZD bitte im Durchmesser rund und ist erstmal mit so einer Plastikkappe abgedeckt damit er eben nichts dran kommen kann im täglichen Leben.

00:04:07: Die Plastikkappe lässt sich abdrehen wie ein Getränkeverschluss und darunter kommt der eigentliche Anschluss zum Vorschein.

00:04:13: Für mich sah der aus wie das Ende von einem Wasserhahn.

00:04:16: Man sah in diesem Rundenstecker ganz viele kleine gleichmäßige Muster ...

00:04:21: Diese vielen kleinen Löcher sind die Anschlüsse für die Zwei-Hundertsechsundfünfzig Mikroelektroden, in Michis Gehirn.

00:04:29: Jeder einzelne Elektrode hat ihren eigenen Kontakt.

00:04:31: Die

00:04:32: Elektroden sind kurze, dünne Drähte, die in Michs Gehirnen die elektrischen Signale von Nervenzellen abhören.

00:04:41: Diese Träter sollen mitbekommen, wenn Michi sich eigentlich bewegen möchte.

00:04:45: Durch den Unfall gab es eben Bruch in seiner Halswirbelsäule und dadurch wurde auch das Rückenmark wirklich durchtrennt.

00:04:51: Also diese Verletzung bedeutet sein Gehirn ist völlig normal, völlig gesund.

00:04:54: aber die Signale aus dem Gehirnen können nicht mehr an den Körper geschickt werden.

00:04:58: Normalerweise würden diese Signale direkt über die Nerven an Michis Muskeln gesendet werden.

00:05:04: Als Umweg sollen sie jetzt über den Computer zum Beispiel an einen Roboterarm geschickt.

00:05:13: Melissa Zawalia ist die leitende Neuroingenieurin.

00:05:16: Sie schließt Michi gerade an den Computer an.

00:05:19: Dazu setzt sie einen sogenannten Messkopf auf den Stecker, auf seinem Hinterkopf, auf!

00:05:25: Wenn dieser Messkopf dann installiert ist, kann man an zwei Buchsen ganz normale Mini-HDMI-Kabel anschließen.

00:05:31: Das kennt man vielleicht so, womit man sein Computer am großen Bildschirm verbindet und genau das passiert dort auch.

00:05:36: Am großen BildSchirm, der vor allem steht wird die Aktivität von diesen Zweihundertsechstenfünfzig Elektroden in Michis Gehirn dargestellt.

00:05:45: Wenn Michi sich entspannt, wird es auf dem Bildschirmen ruhig.

00:05:50: Und wenn er sich vorstellt seinen Arm zu bewegen, sieht man das an knalligen Farben!

00:05:55: Seine Gedanken lesen kann man daraus aber beim besten Willen noch nicht.

00:05:59: Aber genau das soll eine künstliche Intelligenz lernen und um das zu trainieren, ist Michi heute hier.

00:06:06: Was ich da gesehen habe war also eine Übung wo Michi auf dem Bildschirm guckt und er sieht dann so ne ganz stillisierte Computerhand bzw.

00:06:12: den ganzen Arm und er soll dann einfach immer nachmachen was diese Arm vormacht.

00:06:17: Sein richtiger Arm bewegt sich dabei nur noch ein kleines bisschen.

00:06:21: Durch die Übung soll die KI lernen, die Signale aus dem Hirn richtig zu interpretieren.

00:06:26: Und gleichzeitig lernt auch Michi wie er den Computer am besten steuern kann

00:06:30: und ich bin das so begeistert und fasziniert, dass es da ist.

00:06:35: Michi hat sein Implantat seit Juli-Zwanzigfünfundzwanzig im Gehirn.

00:06:39: Seit September kommt er zweimal pro Woche an das Klinikum rechts der ISA umzuüben – und er macht Fortschritte!

00:06:45: Also wenn ich denke, dass ich hebe jetzt das Handgelingene oben Dann geht der Maßgerät nach oben.

00:06:55: Und das funktioniert schon sehr

00:06:58: hervorragend.".

00:07:00: Michi trainiert den Moment nur mit seinen Gedanken, eines von acht Zielen auf dem Bildschirm anzusteuern.

00:07:06: In den kommenden Wochen werden dann noch mehr Ziele dazukommen – sodass er dann beispielsweise den Körser über ein Schachbrett steuern kann!

00:07:13: Mit den Elektroden im Gehirn, der KI und dem richtigen Training lernt der Computer im wahrsten Sinne des Wortes Michis Gedanken zu lesen.

00:07:22: Und wie das funktioniert, schauen wir uns jetzt an.

00:07:30: Denkt nicht an einen Rosellefanten!

00:07:35: Ihr habt sofort an einen rosellefanden gedacht?

00:07:38: Ich auch... Wir können nur sehr schlecht mit Denken aufhören – vor allem wenn wir es aktiv versuchen.

00:07:44: Wir denken ständig und um ehrlich zu sein, weiß die Wissenschaft noch nicht so richtig, wie Denken eigentlich genau funktioniert….

00:07:54: Aber eines wissen Es hat etwas mit elektrischen Signalen zu tun.

00:08:00: Das besondere Nervenzellen ist, dass sie elektisch erregbar sind.

00:08:03: D.h.,

00:08:04: die sind in so einem Grund elektrischen Zustand wo ein Ladungsunterschied zwischen Außen und Innen der Zelle ist.

00:08:10: Und wenn die jetzt irgendwie angeregt werden dann öffnet sich Kanäle in dieser Zellwand und wird ganz kurz vertauscht zwischen außen und innen.

00:08:19: Diese kurze Umholung das ist eigentliches Signal und das ist das sogenannte Aktionspotenzial.

00:08:23: So wie einen Computer mit Einsen und Nullen rechnet?

00:08:26: rechnet unser Gehirn mit diesen Aktionspotenzialen.

00:08:29: Und jetzt ist die ganz große Frage der Hirnforschung lautet, wie kommen wir von diesem gut verstandenen Prozess auf Ebene der einzelnen Nervenzellen?

00:08:38: Wie kommen wir dieser Ebene zu?

00:08:40: der Ebene von kognitiven Funktionen wie Bewusstsein oder Intelligenz oder Kreativität und auch nur der Steuerung meines kleinen Fingers?

00:08:50: Ein erster Schritt ist Zuhören!

00:08:53: Wenn man die Signale abgreifen kann kann man quasi den Nervenzellen beim Quatschen zuhören.

00:08:59: Und genau dafür hat man schon vor hundert Jahren eine Technologie entwickelt, das EEG.

00:09:04: Das Wort EEG steht für eine Elektroencephalographie.

00:09:07: Das ist einfach ne Ableitung der Hirnströme allerdings durch die Schädeldecke.

00:09:11: also macht es von außen mit Elektroten, die man auf die Kopfhaut aufklebt und das sind natürlich relativ unpräzise Signale weil es ist ein bisschen so als würde mal in der Konversation von zehntausenden Menschen durch eine dicke Wand.

00:09:26: Also man kriegt noch ein bisschen was mit, aber man kriegst eher somit auch da rechts wird mehr geredet als da links.

00:09:32: Aber die Inhalte sind dann nur noch sehr schwer rauszulesen.

00:09:35: EEGs werden heute vor allem dazu benutzt, Krankheiten zu diagnostizieren zum Beispiel Epilepsie.

00:09:41: Aber schon seit Ende der Siebziger gibt es auch die Hoffnung dass man mithilfe von einem EEG einen Computer mit Gedankenkraft steuern könnte.

00:09:49: Solche einfachen EEGs.

00:09:51: das waren die allerersten Hirncomputerschnittstellen Oder wie es im Fachjargon heißt, BCI's Brain-Computer Interfaces.

00:10:01: Will man noch genauere Signale?

00:10:04: Dann muss man die Elektroden näher an die Nervenzellen heranbringen.

00:10:08: Sprich, man setzt sie direkt ins Gehirn.

00:10:17: Schon in der USA wurde zum ersten Mal einem Patienten ein BCI ins Gehör eingebaut.

00:10:25: Mittlerweile finden solche Versuche längst nicht mehr nur in kleinen Studien an Universitäten statt.

00:10:30: Auch Start-ups mischen mit!

00:10:33: Gerade erst im Januar hat der Chef von OpenAI, Sam Altman ein Unternehmen gegründet das BC ICE entwickeln soll und Elon Musk's Firma Neuralink macht schon seit zehn Jahren Schlagzeilen mit BC ICE.

00:10:46: Das Besondere an Neuralink ist, dass sie es versuchen mit einem kabellosen System.

00:10:50: Also mit einem Sender der dann zum Beispiel über Bluetooth aus dem Inneren des Schädels sozusagen seine Signale nach außen sendet Anstatt das man immer diesen Stecker haben muss Der ja immer ein stetiges Infektionsrisiko darstellt.

00:11:02: Auf der Webseite von NeuralINK liest man schon von einer Handvoll von Patienten die ihr BCI offenbar auch im Alltag benutzen können Zum Zocken, zum Schreiben sogar zum Arbeiten!

00:11:13: Das alles kann Michi noch nicht.

00:11:16: Er kann seinen Chip bisher ausschließlich bei den Training-Sessions an der Universität benutzen.

00:11:21: Bisher haben vor allem Patienten mit Lähmungen von BCIs profitiert, die Gedanken, die der Chip da ausliest sind immer sowas in Richtung wie arm bewegtig doch die Ambitionen der Forscher gehen noch viel weiter und auch das Team in München arbeitet schon an der nächsten großen Hürde

00:11:40: Sprache.

00:11:41: Von da ist es nicht mehr weit bis zum wirklichen Denken.

00:11:50: Viele Menschen nehmen täglich Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel.

00:11:54: Doch wie sinnvoll sind sie?

00:11:56: Am zwölften März sprechen wir bei NZZ Live in Zürich mit dem Wissenschaftsautor Bas Kast darüber, was unser Körper tatsächlich braucht.

00:12:04: Weitere Informationen zur Veranstaltung

00:12:14: Mit den Elektroden in Michis Gehirn kann eine KI auslesen, dass er gerade seinen Arm bewegen will.

00:12:20: Und dann als Reaktion zum Beispiel den Körser bewegen.

00:12:23: Aber was ist bei Patienten mit anderen Einschränkungen?

00:12:26: Zum Beispiel nach einem Schlaganfall wo große Teile des Gehirns abgestorben sein können?

00:12:32: Das betrifft noch viel mehr Patienten als eine Querschnittslähmung.

00:12:38: So ging es auch einer Patientin die vom gleichen Ärzteteam behandelt wird wie Michi.

00:12:42: Sie möchte nicht das ihr Name der Presse genannt wird.

00:12:45: Zwei Tausend Sechzehn hatte sie einen Schlaganfall.

00:12:49: Heike und ich shoppen, dann umgefallen...

00:12:58: Durch den Schlagan Fall hat sie eine ganz zentrale Fähigkeit zum Teil verloren – das Sprechen!

00:13:03: Man nennt das eine Aphasie.

00:13:05: Alles weg, wo bin ich?

00:13:11: Und dann ... Zeigen, sprechen schwierig.

00:13:19: Der Schlaganfall war in ihrer linken Hirnhälfte.

00:13:22: Georg hat dem Spital in München sehen können wie stark ihr Gehirn davon geschädigt wurde.

00:13:28: Ich habe im Büro von Professor Jakob dann eben auch so ein Dreideh ausdruckt von diesem Gehirngesehen In der Rekonstruktion und da sieht man wirklich dass also weite Teile dieser Hirnhärfte fehlen.

00:13:39: Auch

00:13:39: diese Patientin hat einen Implantat mit Elektroden im Gehirnen In ihrer unverletzten Hirnhäfte und das sogar schon seit vier Jahren.

00:13:47: Und die große Hoffnung ist jetzt, dass man dadurch, dass mir dieses BCI in der anderen noch gesunden rechten Hirnhälfte installiert hat – dass man da Signale abpassen kann mit deren Hilfe dann der Computer auch rekonstruieren kann was eigentlich ihre Sprechabsicht ist und ihr eben helfen kann sich wieder besser auszudrücken.

00:14:04: Das ist etwas weltweit einzigartiges Ein BCI für Sprache.

00:14:09: Man nähert sich dem menschlichen Geist an.

00:14:12: Dafür müssen die Elektroden an eine ganz andere Stelle im Gehirn eingebaut werden.

00:14:17: Derjenige, der dafür sorgt dass die Elektrogen auch am richtigen Ort landen das ist der Neurochirurg Bernhard Mayer.

00:14:24: Wo wäre denn die Bewegungsfunktion?

00:14:25: Wo wäre dann die Sprachfunktion?

00:14:28: damit sie wissen wo genau platziere ich denn die Elektronen?

00:14:33: Er hat sowohl Michi als auch der anderen Patientin ihre Implantate eingebauert.

00:14:37: Es ist für Nordröckler natürlich nicht besonders OP was zu selten ist Und weil tatsächlich alles sitzen und passen muss.

00:14:48: Michis Implantat soll merken, wenn er sich bewegen will.

00:14:52: Die Elektroden sitzen deswegen in einer ganz bestimmten Region seines Gehirns im motorischen Cortex.

00:14:59: Also der Motorische Cortex ist so ein schmaler Streifen Der sich von oben nach unten ungefähr auf höhe der Ohren an der Großherdnerin entlangzieht.

00:15:07: Das ist praktisch der Teil des Gehirn, der für die Steuerung aller Muskeln des Körpers verantwortlich ist.

00:15:12: Im motorischen Cortex lassen sich bestimmte Muskelgruppen ziemlich genau bestimmten Hirnwindungen zuordnen.

00:15:19: Aber bei der Patientin mit dem Schlaganfall wollen die Wissenschaftler an die Sprache heran und die ist im Gehirn gar nicht so leicht zu finden!

00:15:28: Sprache ist eine wahnsinnig komplexe Fähigkeit.

00:15:31: Und da gibt es eben nicht so eine eins-zu-eins Verbindung, wo man sagen könnte um das Wort Apfel zu sagen muss man irgendwie diese und jene Nervenzelle oder Hirnwindung aktivieren.

00:15:40: So funktioniert das nicht.

00:15:41: Obwohl die Schlaganfallpatientin ihr Implantat schon viel länger hat als Michi steht die Forschung bei ihr deshalb noch ganz am Anfang.

00:15:48: Sie haben praktisch erstmal versucht herauszufinden was ist da überhaupt noch an Aktivität?

00:15:52: Jetzt gehen sie aber über in auch eine Trainingsphase, wo sieht erst mal der Frau Passiv Wörter vorspielen und versuchen dann aus den daraus entstehen Aktivitätsmustern Regelmäßigkeiten rauszulesen.

00:16:05: Und das Ziel wäre sozusagen, dass sie irgendwann diese Hürdenaktivitäten selber auch erzeugen kann und dass das BCI die dann abgreifen kann und zum Beispiel das Wort Apfel am Bildschirm erscheinen lassen

00:16:16: kann.".

00:16:16: Bis dahin hat es ihr noch einen langen Weg vor sich!

00:16:19: Es könnte nämlich sein, dass die KI dann jedes einzelne Wort mühsam lernen müsste.

00:16:25: Wie sieht das Wort Apfel in ihrem Gehirn aus?

00:16:28: Wie ist das Wort Birne?

00:16:30: Der Neurochirurg Maya ist aber sehr zuversichtlich, dass es klappen wird.

00:16:34: Und dass wir erst ganz am Anfang einer großen Erfolgsgeschichte von BCIs stehen!

00:16:43: Für ihn ist es von der Sprache bis zum Bewusstsein gar kein weiter Weg mehr.

00:16:50: Die wildesten Fantasien von Maske & Co... Das Bewusstsein herunterladen, in der Cloud speichern?

00:16:56: Hält er alles für realistisch.

00:16:58: Oder andere auch, halt man ja auch – das ist sozusagen nur noch Menschen gehen wird die zwei Gehirne haben.

00:17:05: Wenn sie mich fragen, ob es passiert kann ich sagen, ich bin ziemlich sicher, ja.

00:17:20: Georg

00:17:20: wie ist denn deine Einschätzung davon?

00:17:23: Schaffen wir

00:17:23: das

00:17:23: irgendwann tatsächlich mit diesen BCIs so richtig ans Bewusstsein ranzukommen?

00:17:29: Also ich bin da ziemlich skeptisch, weil wenn man sich die Geschichte der Hürnforschung anguckt dann wurde schon immer sehr viel Versprochen und in Aussicht gestellt.

00:17:36: Also zum Beispiel in den Neunzigerjahren wurden von President Bush damals als Dekade des Gehirns ausgerufen mit der Absicht irgendwie dass wir bis zum Ende dieser Dekate eigentlich alles Wichtige wissen sollte wie das so funktioniert also wie man von dieser vorhin besprochenen Aktivität der einzelnen Nervenzeile bis zum Phänomen des Bewusstseins kommt.

00:17:55: Und ja, man ist leider nicht so arg weit gekommen.

00:17:57: Dann gab es in den frühen zwei Tausenden ähnliche Initiativen immer wieder mal so Dekaden der Gehirnforschung auch in Europa und auch da wurde immer sehr viel angekündigt.

00:18:05: Wenn man dann rückblickend schaut was wirklich verwirrt wird, war's doch wesentlich weniger.

00:18:09: also ich will jetzt die Forschung natürlich überhaupt nicht klein sprechen oder schlecht sprechen.

00:18:12: Da wurde wahnsinnig viel herausgefunden.

00:18:13: das stimmt auch ein sehr spannender Bereich für der Forschung.

00:18:16: aber dass wir jetzt wirklich so diesem Phänomen des Bewusstseins soviel nähergekommen werden da bin ich doch ziemlich skeptisch.

00:18:22: Ich glaube wenn man da noch nicht dann ist mir völlig unklar, wie man jetzt mit so einem BCI dieses schwer zu verstehen Phänomen abgreifen will.

00:18:30: Aber vielleicht hat Elon Musk da andere Ideen?

00:18:33: Ja ja, Elon Musk hat sowieso sehr große

00:18:35: Ideen und bei denen geht

00:18:37: es auch sehr oft darum dass

00:18:39: eigentlich gesunde Menschen sich eine Computer-Hirnschnittstelle einbauen lassen sollen.

00:18:45: Hältst du das für sinnvoll?

00:18:46: Also ich halte es nicht für sinnvoll, weil das ist erfordert halt ein große Hirn-OP und die ist einfach riskant.

00:18:52: Das kann man auch nicht wirklich schön reden.

00:18:54: also warum ich als gesunder mir so eine OP antun würde ist mir ist mir nicht klar.

00:18:59: Jetzt sind wir etwas anderes.

00:18:59: für einen Patienten wie Michi der einfach viel zu gewinnen hat sei jetzt bei ihm in seinem Fall die Freude an dieser Studie teilzunehmen und der Wissenschaft irgendwie auch zu helfen damit aber auch die Hoffnung eben dass es auch konkrete Verbesserungen für sein Leben geben wird.

00:19:14: Da kann man sich dann natürlich schon denken, dass so eine Operation auch gerechtfertigt ist.

00:19:17: Aber als Gesunder würde ich es mir das glaube ich nicht antun wollen.

00:19:20: Es gibt ja auch durchaus so eine relativ dystopische Vision davon was da passieren könnte.

00:19:26: oder also ich stell mir schon vor wenn ich jetzt einen Chip im Gehirn hätte und der wird von Elon Musk gesteuert gibt's dann irgendwann diese Situation?

00:19:33: Dass mir direkt in meinen Gehirnen irgendwelche unüberspringbare Werbung angezeigt wird welche Probleme könnten diese Chips verursachen?

00:19:43: Ja, also das ist einfach... man öffnet da so ein bisschen sein allerinnerstes an Leute wie Elon Musk.

00:19:50: Wenn man so einen Ding in sich hat.

00:19:51: Also wenn man jetzt davon ausgeht dass wirklich sowas wie Bewusstsein oder auch Denken- oder Sprache abgegriffen werden könnte, dann hat man natürlich ein totales Privacy-Problem.

00:20:00: Also schon angefangen bei der Sprache wären deine Gedanken halt nicht mehr so ganz deiner eigenen.

00:20:05: und da ist halt sehr die Frage was möchtest du da eigentlich offenlegen?

00:20:09: Und wie kann man das kontrollieren wenn man erstmal einen BC einsam im Kopf hat?

00:20:14: Siehst du auch potenzielle positive Effekte, wenn Menschen jetzt ihr Gehirn direkt super gut mit dem Computer vernetzen können?

00:20:20: Ja, da kann man sich natürlich einiges vorstellen... Das heißt zum Beispiel, dass ein Pilot sein Flugzeug dann nicht mehr über irgendwelche Hebel steuern muss.

00:20:28: Dass er das sozusagen direkt machen kann und auch unter Umständen sehr viel schneller weil eben diese Besetzung in erst mal den Arm zu bewegen gar nicht mehr nötig ist.

00:20:37: Kann man sich gut vorstellen.

00:20:38: oder noch eine ganz praktische vielleicht auch für einen Alltag eher geeignete Vorstellung wäre ja vielleicht könnte man dann auch Zugang haben direkt aus meinem Gehirn heraus zu allen Wissen der Welt die in Wikipedia und sonst wo gespeichert sind.

00:20:51: Vielleicht könnte ich dann Götis gesammelte Werke innerhalb von einer Minute einfach in meinen Hören hochladen.

00:20:56: Müsste sie nicht mehr lesen, sondern hätte es alles schon gelesen!

00:20:59: Man braucht gar nicht mehr zur Schule gehen quasi?

00:21:01: Nee,

00:21:01: genau das ist doch toll!

00:21:03: Also wir lachen jetzt ein bisschen drüber weil er natürlich... Das kratzt natürlich so wirklich an den grundfesten unserer menschlichen Kultur und stellt uns alle so ein bisschen infrage ob's realistisch ist.

00:21:13: die große Frage, ob's wünschenswert ist.

00:21:15: ja also Ganz schlecht sind diese Vorstellungen natürlich nicht.

00:21:18: Jetzt haben auf jeden Fall ihre positiven Seiten.

00:21:21: Glaubst du ganz generell, dass diese Visionen und Figuren wie Elon Musk dieser BCI-Forschung helfen?

00:21:28: Und sie vorantreiben

00:21:29: oder

00:21:29: schaden Sie eher...?

00:21:30: Ich würde mal sagen beides ganz salomonisch... Also die treiben es natürlich sehr voran weil die einfach wahnsinnig viel Geld in dieses Feld stecken was es sonst so gar nicht gäbe und weil die vielleicht auch ein bisschen hemmungsloser forschen als irgendwelche staatlich geförderten Forscher an Universitäten.

00:21:45: Aber auf der anderen Seite ist auch die Gefahr, glaube ich schon da dass sie dem ganzen Forschungsfeld einen schlechten Namen geben könnten.

00:21:52: Also zum Beispiel dadurch das jetzt so wahnsinnige Versprechungen machen was man schon bald wird machen können.

00:21:58: wenn das jetzt nicht eintritt in zehn Jahren dann könnte es gut sein, dass dann halt so der die allgemeinheit er sagt ja ja ihr mit eurem BCIS ihr habt uns das goldene vom Himmel runter versprochen und was ist passiert?

00:22:08: nichts?

00:22:09: Und dass denn das ganze Feld eigentlich darunter leidet unter diese überzogenen Versprechung?

00:22:12: Ja weil man quasi das Vertrauen spielt hat.

00:22:15: Ja, genau!

00:22:16: Und würdest du dir selbst einen Chip einbauen lassen?

00:22:19: Also ich sehe keinen Grund dafür ehrlich gesagt.

00:22:21: Ich glaube für jemand wie Michi der wirklich davon was zu gewinnen hat ist das eine ganz andere Sache.

00:22:26: aber für mich sehe ich nicht so richtig den Vorteil.

00:22:29: also vielleicht überlegst mir noch mal anders wenn man die gesamte Wikipedia in einer Sekunde in sein Gehirn laden kann dann das wäre natürlich schon cool.

00:22:38: aber daran das wird glaube ich nicht sehr bald passieren.

00:22:42: Vielen Dank Georg.

00:22:43: Danke

00:22:46: Übrigens, in den USA haben erste gelähmte Patienten jetzt auch schon einen Backchannel.

00:22:52: Also ein Kanal über den Signale auch wieder zurück ins Gehirn geleitet werden – zum Beispiel von Tast-Sensoren in einer Roboterhand!

00:23:01: Ihr könnt Quantensprung nicht nur hören sondern auch lesen.

00:23:05: Im Newsletter findet ihr die wichtigsten Fakten aus dieser Folge auf einen Blick und zusätzlich noch weiteren Lesestoff.

00:23:11: Den Link zur Anmeldung findet ihr in den Shownotes.

00:23:14: Das war Quantensprung Ein Podcast über Forschung, die bewegt.

00:23:19: Ich bin Anna Weber – bis zum nächsten Mal!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.