Adios Moskitos: Wie Gentech uns von Mücken befreit

Shownotes

Mücken nerven. Sie sirren, hinterlassen juckende Stiche - und vor allem übertragen sie weltweit tödliche Krankheiten wie Malaria oder Dengue. In dieser Folge von NZZ Quantensprung gehen wir der radikalen Frage nach: Könnten wir Mücken nicht einfach ausrotten?

Im Laufe der Geschichte gab es schon viele Bemühungen, Mücken zu bekämpfen: vom massiven DDT-Einsatz auf Sardinien bis hin zu modernen Methoden wie der "Sterile Insekten Technik". Was in der Vergangenheit nie Erfolg hatte, könnte mit neuen gentechnischen Methoden klappen: Eine einzige im Labor genetisch veränderte Mücke könnte ihre ganze Art ausrotten. Doch was wären die ökologischen Folgen? Wir diskutieren, ob es sinnvoller wäre, statt der Mücke selbst nur die gefährlichen Erreger in ihrem Körper verschwinden zu lassen.

Host: Anna Weber Co-Host: Esther Widmann

In dieser Folge hörst du ausserdem:

  • Niels Verhulst, Professor an der Universität Zürich
  • Doreen Werner, Forschungsgruppenleiter am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF)

Produktion: Sarah Ziegler

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Transkript anzeigen

00:00:04: Das ist Quantensprung.

00:00:06: Ein Podcast über Forschung, die bewegt.

00:00:15: Ich liebe ja den Sommer über alles!

00:00:18: Die Tage werden länger, die Abende wärmer, die Ärmel kürzer und meine Laune wird immer besser.

00:00:26: Da ist nur diese eine Sache... ...die mir die gute Laune regelmäßig wieder verdirbt.

00:00:34: Mücken!

00:00:35: Können wir die nicht einfach ausrotten?

00:00:37: Also ich bin ja eigentlich sehr für Artenschutz.

00:00:39: Ich hau auch keine Fliegentod zu Hause, aber diese Mücken... Ja?

00:00:44: ...ich leg im Bett!

00:00:45: Ich möchte schlafen und dann macht es dieses SIR-Geräusche.

00:00:48: Das ist das Schlimmste an den Mücken, dieses Geräusch.

00:00:50: Ich denke einfach, wozu sind diese Viecher eigentlich

00:00:55: gut?!

00:00:59: Und das ist noch das geringste Problem mit ihnen – in anderen Teilen der Welt töten sie.

00:01:06: Dreihundertfünfzig Millionen Menschen auf der Welt erkranken jedes Jahr an Krankheiten wie Denke, Malaria, Gelbfieber oder Chikungunya.

00:01:15: Alles Krankheiten die von Stechmücken übertragen werden.

00:01:18: Besonders schlimme Folgen hat die Malaria.

00:01:20: das ist ein vielleicht hierzulande gar nicht so klar aber jedes Jahr bekommen etwa zweihundertfünftig Millionen Menschen diese Krankheit und sechshunderttausend sterben daran.

00:01:32: Die meisten davon sind Kinder unter fünf

00:01:34: Jahren Und mit dem Klimawandel kommen diese Erreger zunehmend auch nach Europa.

00:01:40: Mücken haben echt keinen erkennbaren Nutzen, also weg damit!

00:01:45: Das ist Quantensprung.

00:01:47: ein Podcast aus der Wissenschaftsredaktion der NZZ.

00:01:50: Wir prüfen Ideen die unser Leben verändern könnten und wie sie Wirklichkeit werden.

00:01:56: Heute wollen wir wissen Könnten wir Mücken ausrotten?

00:02:00: Der Frage bin ich mir meiner Kollegin und Co-host Esther Wiedmann nachgegangen.

00:02:04: Sie schreibt bei uns im Team über Archäologie und die Umwelt.

00:02:08: Ich bin Anna Weber, willkommen!

00:02:21: Mückenstiche gehören zum Job eines Mückenforschers einfach dazu.

00:02:32: Nils verhößt wurde schon so oft gestochen, dass sein Körper sich offenbar daran gewöhnt hat.

00:02:38: Die jucken kaum noch.

00:02:40: Verhülls leitet eine Forschungsgruppe an der Universität Zürich.

00:02:43: Zu seinem Labor gehören zwei Container auf dem Gelände der veterinärmedizinischen Fakultät.

00:02:49: Ja, so wir haben zwei Orten wo wir die Mücken züchten und hier haben wir einfach ein Container das warm, feucht und dann können wir relativ einfach mit den Mücken arbeiten.

00:03:01: Esther hat Nils Verhülst dort besucht

00:03:04: Und wir sind dann zusammen zu so einem kleinen Container gegangen, der da einfach auf dem Gelände steht.

00:03:10: Das ist so groß wie ein gebarer Kleiderschrank also wirklich nicht sehr groß und er hat eine doppelte Tür es auch abgeschlossen.

00:03:17: So das ist natürlich geschützt!

00:03:19: Es gibt zwei Türen, sodass die Mücken natürlich nicht entkommen.

00:03:22: Wenn man reinkommt merkt man zuerst...es ist sehr warm, also tropisch Und es summt auch, aber eher so von den Geräten als von den Mücken.

00:03:31: Es ist nämlich nicht so dass wenn man da reingeht, man von dem Mücken umschwirt wird sondern das ist eben ein kleiner Raum mit Regalen und auf den Regalen stehen so Boxen, sind ungefähr doppelt zu groß wie so einen Schuhkarton und in jeder Box schwirren jede Menge Mücken rum.

00:03:48: Unten drunter aufm Regalbrett stehen noch mehr Boxen so durchsichtige Plastikboxen Mit Wasser drin und in dem Wasser hängen diese Larven von den Mücken, weil die dann irgendwann schlüpfen.

00:03:59: Ist über den Boxen auch ein Netzgewebe gespannt?

00:04:02: aber das ist in diesem Fall lustigerweise nicht was aus dem Labor bedarf sondern es sind einfach so Neile und Strumpfhosen.

00:04:08: Die sind schön dehnbar und die sind billiger!

00:04:10: Diese Mücken hält für Hülst sich nicht zum Spaß.

00:04:13: er erforscht an ihnen wie Mücken die Erreger gefährlicher Krankheiten übertragen können wen die Mücken am liebsten stechen wie man sie am besten abwehren kann Und er weiß, wie wir Mücken für immer loswerden könnten.

00:04:28: Aber mindestens zu bekämpfen ist wichtig und dann übertragen sie die Krankheiten nicht.

00:04:35: Mücken ausrotten – genau diese Idee hatte man auch in der Vergangenheit schon mal!

00:04:40: Was vielen vielleicht gar nicht so bewusst ist, vor hundert und zwanzig Jahren war Malaria in allen Ländern der Welt endemisch.

00:04:48: Das bedeutet sie wurde lokal übertragen – und zwar von Mücken der Gattung Anopheles!

00:04:54: Auch in Europa, in Deutschland, in der Schweiz.

00:04:56: überall gab es Malaria.

00:04:58: Besonders betroffen war die Mittelmeerinsel Sardinien.

00:05:01: Dort starben Ende des neunzehnten Jahrhunderts jedes Jahr zweitausend Menschen an Malaria.

00:05:14: Die amerikanische Rockefeller Stiftung hat deshalb Sardinien ausgewählt.

00:05:20: Von nineteenhundertundvierzig bis neunzehnhundertfünfzig wurde dort ein geradezu episches Experiment durchgeführt, sie nannten es eine Kraftprobe zwischen moderner Wissenschaft und einer uralten Plage.

00:05:49: Das Ziel war, jede einzelne Malaria-Übertragende Mücke auf Sardinien zu töten.

00:05:55: Dass das überhaupt möglich schien, lag daran dass ein paar Jahre zuvor ein Schweizer Chemiker das erste chemisch hergestellte Insektizid entdeckt hat beziehungsweise dessen tödliche Wirkung auf Insekten und zwar DDT.

00:06:09: DDT ist ein Pestizid, das praktisch alles tötet was so kräucht und fleucht.

00:06:14: In den neunzehntundhundertvierziger Jahren galt es als Wundermittel gegen Schädlinge.

00:06:17: Die Aktion aus der Linien, die war in militärischem Stil geführt.

00:06:22: Da wurden zweiunddreißigtausend Männer rekrutiert und die haben jedes Haus jeden Stall jede Pfütze mit DDT eingesprüht.

00:06:31: Als sie dann gemerkt haben, das reicht noch nicht!

00:06:34: Dann haben sie noch Simfe trocken gelegt.

00:06:46: Aber

00:06:56: die überlebenden Mücken haben sich dann wieder vermehrt.

00:06:58: Und ziemlich bald gab es auf Sardinien jede Menge Mücken.

00:07:03: Dafür hatte das ganze Insektengift in der Umwelt aber jede Menge schädlicher Folgen.

00:07:07: Viele nützliche Insekte, Amphibien Fische und Vögel sind gestorben.

00:07:12: Kühe wurden krank.

00:07:13: Heute weiß man dass DDT auch für Menschen giftig ist.

00:07:17: Deshalb ist das Pestizid heute verboten.

00:07:19: Der Fall Sardinien zeigt Mücken einfach zu vergiften Ist keine so gute Idee.

00:07:25: Aber mit anderen Methoden geht der Kampf gegen die Mücke auch heute noch weiter Zum Beispiel gegen die Tigermücken.

00:07:35: Die Tigermücken gibt es seit einigen Jahren auch in der Schweiz, vor allem im Tessin haben sie sich festgesetzt und das Problem mit den Tigermücken ist die übertragen einen potenziell tödlichen Virus.

00:07:45: Das Denke-Virus.

00:07:47: Vor zwei Jahren hat man zum ersten Mal eine mit Denke infizierte Tigermöcker nördlich der Alpen entdeckt – In Basel.

00:07:55: Bisher haben die Tigermücke in der Schweizer noch kein Denkevirus an einem Menschen übertragend Aber es könnte passieren.

00:08:01: Im Tessin versucht man deshalb seit ein paar Jahren, mit der sogenannten sterile Insektentechnik diese Tigermücken loszuwerden.

00:08:08: Diese Technik wirkt ein bisschen unintuitiv Denn als erstes züchtet man mehr Mücken.

00:08:15: Man züchtete im Labor Mücken und die Menschen bestrahlt man mit Röntgenstrahlung.

00:08:20: Dadurch werden sie steril Und wenn man die dann freilässt und sie sich mit Mückenweibchen paaren, dann legen die Weibchen sterile Eier.

00:08:27: Das heißt aus diesen Eiern schlüpfen keine neuen

00:08:30: Mücken.".

00:08:30: Das funktioniert ziemlich gut!

00:08:32: Aber es hat auch einen großen Nachteil, sagt der Mückenforscher Nils Verhöst.

00:08:37: Ein oder zwei Jahre machen, man soll das eigentlich jedes Jahr wiederholen.

00:08:54: Im Moment kann man mit der Technik nur dafür sorgen, dass nicht allzu viele Mücken herumfliegen.

00:08:59: Um die Tigermücke im Tessin vollständig auszurotten, bräuchte es noch viel mehr sterile Männchen.

00:09:05: Es gibt aber auch Bemühungen statt die Mücken an sich zu bekämpfen sie einfach an der Übertragung von Krankheiten zu hindern.

00:09:15: Vorkommendes Bakterium, das heißt Wolbachia.

00:09:19: Dieses Bakteriums blockiertes Wachstum bestimmte Erreger im Körper von Mücken und reduziert so die Fähigkeit den Ereger an Menschen weiterzugeben.

00:09:27: Wenn man mit Wolbachianfizierte Mücken freisetzt verbreitet sich das Bakteriam selbstständig durch die Population weil es von den Weibchen an ihre Nachkommen weitergegeben wird.

00:09:36: Das heißt man hat immer noch Mücken Und die stechen auch immer noch, aber sie übertragen diesen Erreger nicht mehr.

00:09:42: Das funktioniert sehr gut und wird schon in vielen Ländern eingesetzt gegen eine andere Dengeübertragende Mücke nämlich die Gelbfiebermücke.

00:09:49: Die

00:09:49: Verbreitung des Dengevirus durch diese eine Mückenart kann man mit Hilfe von Wolbachia also zumindest einschränken.

00:09:56: Für andere Erregarer und andere Mückenarten funktioniert das bisher noch nicht.

00:10:01: Daran wird noch geforscht.

00:10:07: Man hat schon alles Mögliche versucht.

00:10:10: Man hat Mücken sterilisiert, mit Bakterien infiziert, ihren Lebensraum weggenommen oder sie vergiftet.

00:10:17: Aber keine von diesen Methoden hat es geschafft Stechmücken komplett und endgültig aus der Welt zu schaffen.

00:10:24: aber Es gibt einen Ansatz Der verspricht genau das Und dafür würde es reichen nur eine einzige modifizierte Mücke frei zu lassen Und innerhalb von wenigen Jahren wäre die ganze Art ausgerottet.

00:10:38: Diese Methode trägt den Namen Gene Drive.

00:10:42: Davon hat uns Nils Verhülls erzählt.

00:10:44: Ein Vorteil dieser Gene Drive ist, dass man in Theorie nur weniger oder ein Mück loslässt und sich selbst verbreitet durch die Population.

00:10:53: Das ist natürlich am Ende das viel billiger und effizienter.

00:10:58: Dafür muss die Mücke genverändert werden.

00:11:02: Normalerweise wird bei der sexuellen Fortpflanzung, wie sie beim Menschen und auch beim Mücken passiert ein bestimmtes genetisches Merkmal mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfzig zu fünfzig an die Nachkommen vererbt.

00:11:14: Beim Gene Drive wird diese Wahrscheinlichkeiten mit einem Trick auf hundert Prozent erhöht.

00:11:19: Das heißt im Fall der Mücken jede einzelne Babymücke hat dieses Gen in sich und vererb es weiter.

00:11:26: So verbreitet sich dieses Merkmal innerhalb weniger Generationen in der gesamten Population.

00:11:32: Es wird durch die Population getrieben, bis es alle haben – daher der Name Gene Drive.

00:11:38: Am Anfang steht also eine einzige im Labor genveränderte Mücke, die einen solchen Gene-Drive in sich trägt und am Ende hat die gesamte Mykenpopulation diese Genveränderung.

00:11:50: Welches Gen so durch den Myckenpopulation getrieben wird?

00:11:54: Das können sich die Forscher aussuchen!

00:11:56: Wenn man eine Mückenart komplett ausrotten will, dann könnte das zum Beispiel ein Gen sein, dass die weiblichen Nachkommen einer Mücke steril macht.

00:12:26: So gibt es immer mehr sterile Mückenweibchen.

00:12:29: Bis irgendwann gar keine Mücke mehr lebendige Eier legen kann.

00:12:32: Im Labor haben Wissenschaftler das ausprobiert und die Population war nach sechs Monaten zusammengebrochen,

00:12:38: d.h.,

00:12:38: es gab keine lebendigen Mücken mehr.

00:12:45: Das ist cool aber auch ein bisschen gruselig!

00:12:48: Das kann man eigentlich nicht stoppen.

00:12:51: Man versucht jetzt da reinzubauen dass es zum Beispiel noch zehn Generationen automatisch stoppt.

00:12:57: Wenn man den GeneDrive einmal in die Welt gesetzt hat, dann kann man ihn nicht mehr zurückholen.

00:13:02: Aber

00:13:03: mit Hilfe des GeneDrive wäre es wahrscheinlich wirklich möglich eine Mückenart komplett auszurotten.

00:13:08: Das wäre mein Traum!

00:13:11: Also weg damit!

00:13:19: Soweit mich hinauslehnen und sagen ohne Mücken hätten wir keine funktionierende Nahrungskette.

00:13:26: Doreen Werner findet das doch keine so gute Idee... Sie sagt Vorsicht bei der Mückenausrottung.

00:13:34: Und die Geschichte gibt ihr recht!

00:13:36: Menschen haben ja schon viele über Tierarten zum Aussterben gebracht, oft eher unabsichtlich aber manchmal auch ganz gezielt.

00:13:43: In China lief von bestens deiner Kampagne zu Ausrottungen der vier Plagen.

00:13:51: Mao hat damals angeordnet dass die Bevölkerung systematisch Ratten, Fliegen, Stechmücken und Spazen bekämpfen soll.

00:14:00: Also sind die Menschen losgegangen und haben Spatzen vernichtet, Schulklassen hatten das in ihrem Stundenplan stehen.

00:14:06: Die Chinesen haben sich auch eine interessante Methode ausgedacht wie man so viele Spazentöten kann.

00:14:12: den Gene Drive hatten sie ja noch nicht.

00:14:15: In Video-Aufnahmen aus dieser Zeit sieht man wie Sie die Spazen mit Lärm und mit wehenden Fahnen aufscheuchen Und sie solange nicht landen lassen bis sie vor Erschöpfung sterben.

00:14:26: Die Spazien sind tatsächlich fast vollständig verschwunden konnten jetzt den Menschen kein Korn mehr wegfressen.

00:14:33: Aber, wie sich dann gezeigt hat, waren die Spatzen auch sehr wichtige Schädlingsbekämpfer und haben Insekten gefressen, die sich jetzt ohne Spatze ungehindert über das Getreide hermachen konnten.

00:14:45: Die Ernten fielen aus – und zwar einer der Faktoren, die zur größten Hungersnot der menschlichen Geschichte geführt haben.

00:14:52: Zwischen neunundfünfzig und neunhundertsechzig sind in China zwischen sechzehn und fünfundvierzig Millionen Menschen an dieser Hungersnot gestorben.

00:15:02: Laut einer neuen Schätzung zwei Millionen davon in direkter Folge der

00:15:07: Spatzenbekämpfung.".

00:15:09: Eine Tierart, einfach so aus einem Ökosystem zu entfernen kann also katastrophale Folgen haben.

00:15:16: Aber Mücken sind ja doch etwas anderes als Spatze!

00:15:19: Auf jeden Fall ernähren sie sich von Blütennektar und nicht von Schädlingen.

00:15:23: Also wäre das Ausrotten von Mücken wirklich ähnlich problematisch?

00:15:27: Also, das ist alles wirklich extrem verschafftet und vernetzt.

00:15:32: Und deshalb diese Aussage ohne Mücken kein

00:15:34: Nahrungsnetz.".

00:15:35: Kaum jemand hat die Rolle von Mücken in unserem Ökosystem so genau untersucht wie Doreen Werner.

00:15:41: Sie forscht am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung östlich von Berlin dazu – und es stellt sich heraus… Die nervigen Viecher sind doch tatsächlich zu etwas Nütze!

00:15:58: Die erste wichtige Funktion erfüllen die Mücken schon gleich zu Beginn ihres Lebens, als Larven im Wasser.

00:16:04: Wenn wir beispielsweise an die Lebensweise der Mücken denken dann sind sie filtrierer überwiegend das heißt sie filtern

00:16:15: Algen

00:16:15: und Detritus raus und verbessern dadurch die Wasserqualität.

00:16:20: Das heißt, sie sind also so eine Art Umweltpolizei.

00:16:25: Sie machen das Wasser

00:16:26: besser.".

00:16:26: Und auch als erwachsene Mücke sind sie nicht unthältig.

00:16:29: Aber Fliegen und Mücken im Allgemeinen gehören genauso in diese Bestäuber-Kategorie mit rein – kein Kakao ohne Mücken!

00:16:37: Ausgerechnet die Kakaopflanze wird nämlich nur von einer Mücke bestäubt.

00:16:42: Aber ihren wichtigsten Beitrag zur Nahrungskette leisten Mücken indem sie einfach selbst gefressen werden….

00:16:48: Amphibien fressen Mücken, Fische fressten Mücken.

00:16:51: Singenvögel, Fledermäuse und auch andere Insekten wie z.B.

00:16:55: Libellen.

00:16:56: In manchen Fällen sind die Mückenlarven sogar das wichtigste Futter für bestimmte Tiere.

00:17:01: Z.B.,

00:17:01: gibt es die Familie der Kribelmücken.

00:17:03: Das sind ganz kleine Mücken ,die in tropischen Ländern auch manche Krankheiten übertragen können.

00:17:09: Aber Doreen Werner hat mir gesagt, in manchen Fließgewässern stellen Kribbelmückenlarfen

00:17:19: Dreckigeres Wasser, weniger bestäubte Blüten und weniger Futter für andere Tiere.

00:17:24: Na gut!

00:17:25: Vielleicht sind die Mücken doch zu wichtig fürs Ökosystem um sie einfach auszurotten?

00:17:30: Wir müssen uns schon schützen keine Frage und wir sollten Sie auch bekämpfen.

00:17:36: also wenn die gesundheit...die menschliche und tierische Gesundheit gefährdet ist das ist halt das A&U.

00:17:42: aber man muss mit Sinn und Verstand daran gehen.

00:17:45: Aber vielleicht gibt es ja noch einen anderen Weg.

00:17:48: In Europa gab es ja früher, wie gesagt auch überall Malaria.

00:17:52: Aber heute gibt's sie nicht mehr und das liegt vor allem daran dass die Hygiene sich verbessert hat und dass es bessere Medikamente gibt.

00:17:59: Auch in Europa wurde Malaria von Anopheles Mücken übertragen.

00:18:03: diese Mücken gibts immer noch überall aber was es nicht mehr gibt ist der Erreger.

00:18:09: also man hat es geschafft diesen europäischen Erregarstamm von Malaria auszurotten

00:18:14: Und die heutigen Methoden können uns dabei helfen, das noch viel effizienter zu erreichen, meint Nils Verhölst.

00:18:20: Man kann den Gene Drive so entwickeln dass die Mücken die Patogenen nicht mehr übertragen.

00:18:25: Mit dem vorher beschriebenen Mechanismus des Gene Drives wo man ein bestimmtes Gen durch die Population treibt könnte man auch einen Gehen durch die population treiben das nicht die mücken steril macht sondern verhindert sich der Erreger in ihrem Körper vermehrt.

00:18:40: Das ist es worauf viele Forscher hinarbeiten Eine Welt, in der es zwar noch juckende Mückenstiche gibt.

00:18:47: Aber in der Malaria, Denke und viele weitere tropische Krankheiten für immer verschwunden sind.

00:18:54: Ja ich denke das ist in die Zukunft möglich?

00:19:05: Ich muss ja sagen jetzt bin doch ein bisschen enttäuscht weil ich hatte mir schon gewünscht dass es eine Lösung gäbe bei der auch keine Mücken Stiche mehr bekommen.

00:19:13: wäre es wirklich so schlimm fürs Ökosystem wenn wir die Mücken ausratten würden?

00:19:18: Da sind sich die Wissenschaftler nicht alle einig.

00:19:20: Nils Verhüllst ist der Meinung, dass die Effekte insgesamt eher klein sind weil Mücken normalerweise nicht die wichtigsten Nahrungsquelle für andere Tiere sind.

00:19:29: Die fressen dann einfach was anderes und verhüllt hat mir auch gesagt da wo man zum Beispiel massenhaft sterile Menschen losgelassen hat haben Studien die möglichen Folgen auf das Ökosystem untersucht und da ist nichts zusammengebrochen.

00:19:44: allerdings gibt es auch Studien die zeigen Wenn die Larven einer bestimmten Art fehlen, reißt es doch ein Loch in den Nahrungskette.

00:19:53: Und wenn man weltweit alle drei Tausend Fünfhundert Mückenarten ausrotten würde dann hätte das auf jeden Fall einen katastrophalen Effekt.

00:20:01: aber das will auch niemand.

00:20:03: Es geht ja höchstens um einzelne sehr gefährliche Arten.

00:20:06: Ja okay das stimmt schon.

00:20:07: dreieinhalb tausend Mückenartenausrotten Das finde ich jetzt glaube ich auch ein bisschen zu krass.

00:20:12: Ich denke, auf den ersten Blick ist es eine verlockende Idee gefährliche Mücken auszurotten.

00:20:18: Aber es wäre schon auch ein krasser Eingriff ins Ökosystem und deshalb bin ich so ein bisschen zu dem Ergebnis gekommen.

00:20:24: Ich glaube, wofür man ethisch relativ problemlos sein könnte, ist die Malaria erreger auszurottet.

00:20:30: Wenn das per Gene Drive möglich wäre, da hätte ich weniger bedenken.

00:20:35: Und vielleicht ging's auch sogar ohne genetische Eingriffe.

00:20:38: für die braucht sie ja auch in der Bevölkerung immer viel Überzeugungsarbeit.

00:20:42: Fast ein bisschen eleganter ist diese Wolbachia-Methode.

00:20:46: Die funktioniert ja gegen Denke sehr gut und wenn man das jetzt auch gegen den Malaria-Erreger einsetzen könnte, das wäre vielleicht die beste Lösung und daran wird aktuell

00:20:56: geforscht.".

00:20:56: Okay,

00:20:57: d.h.,

00:20:57: es könnte sogar mehrere Optionen geben später wie man die Malaria ausrotten könnte.

00:21:02: Welche Folgen hätte das denn?

00:21:04: Also, wenn wir mal annehmen... Es läuft alles sehr, sehr gut!

00:21:07: Und wir schaffen das wirklich, die Malarea komplett auszurotten in allen Ländern der Welt.

00:21:11: Was würde das bedeuten?

00:21:13: Das kann man sich eigentlich kaum vorstellen.

00:21:14: Diese Krankheit ist wirklich eine Geißel der Menschheit und das schon seit hunderttausenden von Jahren.

00:21:20: Sie führt zu Fiebergrempfen, zur Art Not, kann zu Nierenversagen führen und unbehandelt innerhalb von vierundzwanzig Stunden zum Tod.

00:21:30: Nils Verhülls hat mir von Familien in Tanzania erzählt, wo er gearbeitet hat.

00:21:34: In denen zwei von fünf Kindern an Malaria gestorben sind kann man sich gar nicht vorstellen.

00:21:39: Aber selbst wenn man überlebt ist nicht alles gut.

00:21:42: ins Sierra Leone das ist das Land mit der weltweit höchsten malarierinzidenz erkrankt im beliebigen Jahr ein Viertel der Bevölkerung an malaria.

00:21:52: Das heißt die Menschen können dann wochenlang nicht zur Schule gehen und nicht arbeiten.

00:21:56: Die haben aber meist keine Arbeitsverträge wo sie dann bei Krankheit weiter bezahlt werden, sondern die verdienen dann einfach nichts.

00:22:02: Es hat also gewaltige Auswirkungen auf die Wirtschaft und auch auf die Entwicklungsmöglichkeiten sowohl der Einzelnen als auch das ganze

00:22:09: Landes.".

00:22:09: Und wenn man das starten wollen würde wie würde das ganz konkret aussehen?

00:22:13: Wenn man in einem afrikanischen Land zum Beispiel die Malaria ausratten würden...

00:22:17: Also zuerst müssten Wissenschaftler ein GeneDrive entwickeln, der das ermöglicht.

00:22:21: Der für die Ausrottung der ganzen Malaria-Mückenart hat ja im Labor sehr gut funktioniert – für den Erreger noch nicht aber vielleicht kommt es ja noch!

00:22:31: Dann müsste es einen gesellschaftlichen Konsens in dem Land geben dass man Mücken mit GeneDrive aussetzen will.

00:22:38: also dieser GeneDrive wenn er einmal in der Welt ist kann man den nicht zurückholen diesen gesellschaftlichen Konsens zu erreichen, das ist aber gar nicht so einfach.

00:22:45: Das hat sich in Burkina Faso gerade gezeigt.

00:22:48: Da lief seit Jahren ein Projekt, das auf einen ersten Feldversuch hingearbeitet hat und dem hat die Regierung vergangenes Jahr sehr plösslich alle Genehmigungen einfach entzogen.

00:22:59: Offenbar, weil sich die vorher eigentlich positive Haltung der Bevölkerung zu dieser Technologie komplett gedreht hat.

00:23:05: Und ist es nicht so dass wenn man so eine Räger weltweit ausrotten will da eigentlich auch sehr viele Länder zusammenarbeiten müssten um das überhaupt möglich zu machen?

00:23:12: Ja genau also.

00:23:13: idealerweise würden sich da ganz viele Länder koordinieren wenn man das wirklich machen wollen würde.

00:23:19: aber es ist auch nicht ausgeschlossen dass ein Land einen Alleingang startet und dann Gene Drive Mücken freisetzt die die Nachbarländer aber eigentlich gar nicht beheißig haben wollen.

00:23:29: Aber diese Mücken fliegen dann trotzdem über die Grenzen und sind auch nicht mehr

00:23:33: aufzuhalten.".

00:23:34: Spannend, also das heißt tatsächlich könnte ein Land einfach loslegen mit dieser Ausrottung?

00:23:38: Genau jetzt hoffe ich natürlich dass das nicht passiert.

00:23:41: Nichts ist so.

00:23:42: trotz.

00:23:42: es ist glaube ich auf jeden Fall gut, dass sich Wissenschaftler damit beschäftigen wie man diese Erreger loswerden kann und dann könnten die Mücken endlich

00:23:51: nur noch nerven.

00:23:53: Vielen Dank Äster!

00:23:55: Gerne.

00:23:56: Übrigens Jede Stechmücke sticht nur genau einmal.

00:24:00: Wenn euch also das nächste Mal eine einzelne Stechmecke nachts im Schlafzimmer verrückt macht, könnt ihr euch vielleicht mit dem Gedanken trösten, dass ihr wenigstens nur mit einem Stich aufwachen werdet – nicht mit Dutzenden!

00:24:12: Das war Quantensprung ein Podcast über Forschung die bewegt.

00:24:17: Wie immer könnt Ihr Quantenssprung nicht nur hören sondern auch lesen.

00:24:20: Im Newsletter habe ich Euch die wichtigsten Fakten aus dieser Folge auf einen Blick zusammengefasst.

00:24:24: Den Link zur Anmeldung gibt's in den Shownauts.

00:24:27: Ich bin Anna Weber.

00:24:28: Bis zum nächsten Mal!

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