Proteine aus Luft: Wie Bakterien nachhaltige Lebensmittel produzieren
Shownotes
Protein wird mithilfe von Landwirtschaft erzeugt. Doch die Produktion von Fleisch und Pflanzen verbraucht riesige Flächen und wertvolle Ressourcen. In dieser Folge von Quantensprung dreht sich alles um eine radikale Alternative: Air Protein. Das finnische Startup Solar Foods stellt unter dem Namen Solein ein Proteinpulver her, das unabhängig von fruchtbarem Boden, Nutztieren und herkömmlichem Dünger entsteht.
Dahinter steckt ein natürlicher Prozess, den Forschende im Labor nachbauen. Sogenannte Knallgasbakterien nutzen Wasserstoff als Energiequelle, um Kohlendioxid und Stickstoff in organische Bausteine umzuwandeln. Das Ergebnis ist ein gelbes Pulver, dessen Aminosäureprofil dem von tierischen Proteinen ähnelt und das reich an Vitamin B12 ist.
Ob im Supermarkt, in der Antarktis oder bei zukünftigen Missionen im Weltall: Kann dieses Einzellerprotein den weltweiten Bedarf nachhaltig decken?
Host: Lena Waltle Co-Host: Esther Widmann
In dieser Folge hörst du ausserdem:
- Juha-Pekka "Jopka" Pitkänen, Gründer und CEO von Solar Foods
- Monika Konarzycka-Bessler, Leiterin der Forschungsgruppe Single Cell Protein am Fraunhofer-Institut für Molekulare Biologie und Angewandte Ökologie (IME) in Aachen
«NZZ Live»-Veranstaltung: Von Science-Fiction zur Realität: Lebensraum Weltall? Ein Gespräch mit Thomas Zurbuchen und Rabea Rogge. Dienstag, 30. Juni 2026, 20.00 Uhr, Kaufleuten, Zürich. Tickets und weitere Informationen finden Sie hier.
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Mails an quantensprung@nzz.ch
Transkript anzeigen
00:00:00: Dieser Podcast wird präsentiert vom Verkehrshaus der Schweiz in Luzern.
00:00:04: Entdecken Sie die neue Ausstellung Reinhäfen, unser Tor zur Welt!
00:00:12: Das ist Quantensprung – ein Podcast über Forschung, die bewegt.
00:00:25: Ein
00:00:30: halbes Jahr streifte Jua Pekka Pitkenen durch die finnische Wildnis Durch forstete Wälder und Sümpfe stapfte durch den Schlamm und suchte den Waldboden ab Bist du sie fand?
00:00:41: Die Bakterien, die ein kleines Wunder vollbringen.
00:00:44: Diese Bakterie können Lebensmittel aus Luft herstellen – sogenanntes Air Protein, Proteine aus Luft.
00:00:51: und genau das will Pitkinnen in großem Stil zur Nahrungsmittelproduktion nutzen!
00:00:55: Pitkinnan ist einer der Gründer des finnischen Start-ups Solar Food.
00:00:59: Schon nächstes Jahr will er Air Proteinen in Europa im Supermarkt verkaufen.
00:01:03: Im ersten Schritt als Proteinpulver für Sportler.
00:01:06: aber sein eigentliches Ziel ist viel größer.
00:01:09: Er will Protein für menschliche Ernährung unabhängig von Landwirtschaft erzeugen und das Ganze möglichst nachhaltig, mit möglichst wenig Landverbrauch, möglichst wenig Wasserverbrauche und möglichst wenig Ausstoß von Treibhausgasen.
00:01:33: Denn die Bakterien, die brauchen keine Weiden.
00:01:35: Die brauchen keinen Stall, keine Hektar großen Andauflächen.
00:01:38: Sie brauchen noch keinen Dünger aus fossilen
00:01:40: Ressourcen.".
00:01:41: In seiner Vision werden dann auch ganz viele andere Probleme gelöst.
00:01:45: Massentierhaltung bräuchte es nicht mehr.
00:01:47: Ökosysteme an Land und im Meer könnten sich erholen.
00:01:51: Auch Länder mit wenig Anbaufläche aber viel erneuerbare Energie könnten dann besonders günstig Lebensmittel herstellen.
00:01:59: Und selbst dort wo Landwirtschaft keine Option ist.
00:02:03: wäre das möglich in der Stadt, in der Wüste oder im Weltall.
00:02:12: Das ist Quantensprung – ein Podcast aus der Wissenschaftsredaktion der NCZ.
00:02:16: Jede Woche prüfen wir Ideen die unsere Art zu leben verändern könnten und wie aus Forschung Realität wird!
00:02:22: Heute Air Protein.
00:02:24: können Proteine aus Luft die Welt ernähren?
00:02:27: Damit hat sich meine Kollegin Esther Wiedmann beschäftigt.
00:02:29: Ich
00:02:30: bin Lena Walte Willkommen.
00:02:34: Unser Körper braucht Proteine, Kohlenhydrate, Fette und Wasser.
00:02:38: Und auch noch ein paar Vitamine- und Mineralstoffe.
00:02:41: Die Kohlenhydrate und Fette liefern uns Energie.
00:02:43: Proteine also Eiweiße liefern einen wichtigen Baustoff für unseren Körper.
00:02:48: damit werden Muskeln aufgebaut oder Enzyme, Hormone und Antikörper für das Immunsystem gebildet.
00:02:54: die Proteine bekommen wir Menschen entweder von Tieren oder vom Pflanzen
00:02:58: Also grundsätzlich.
00:02:59: jede Zelle enthält Proteine.
00:03:01: Sie sind Bau-Element, sie sind Botenstoffe, sie enthalten die genetische Informationen.
00:03:06: der steht wie die Zelle überhaupt gebaut werden soll und Pflanzen und Algen können sich diese Proteine selbst bauen.
00:03:13: Die Energie dazu stammt aus der Photosynthese.
00:03:16: das ist der Prozess in dem Pflanzen mit Hilfe von Chlorophyll die Energie aus Sonnlicht in Glucose also Kohlenhydrate umwandeln.
00:03:26: Dabei gibt die Pflanze Sauerstoff an die Luft ab und den brauchen wir zum Atmen.
00:03:31: Damit die Pflanzen wachsen kann, muss sie Proteine bilden und dafür braucht sich Stickstoff.
00:03:35: Die Luft um uns rum besteht zu fast achtzig Prozent aus Stickstoff aber weder Pflanzen noch Tiere können ihn in der Form aufnehmen.
00:03:43: Der muss erst von bestimmten Bakterien umgewandelt werden – und zwar im Ammoniak.
00:03:48: In dieser Form kann die Pflanzel dann den Stickstoff aus dem Boden aufnehmen.
00:03:53: Auch für diese Aufnahme braucht sie die aus dem Sonnenlicht gewonnene Energie.
00:03:57: Aus Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff baut die Pflanze dann zwanzig verschiedene Bausteine – die sogenannten Aminosäuren.
00:04:05: Aus diesen Aminosäusern bilden die Pflanzen lange Ketten, das sind Proteine.
00:04:09: Die sind alle auf unterschiedliche und sehr komplizierte Art gefaltet.
00:04:13: Menschen ernähren sich entweder direkt oder indirekt von den Proteinen der Pflanzen direkt, indem sie die Pflanze verzehren als Tofu oder indirekt, indem Sie Tiere essen, die die Pflanzen gefressen haben.
00:04:24: Oder tierische Produkte wie Milch und Käse.
00:04:27: Wir ernähren uns also eigentlich von umgewandelter Sonnenenergie.
00:04:31: Und damit diese Energie in Nahrung umgewandelt werden kann, braucht es sehr viel Landfläche, kritisiert Johar Pekka-Pitkenan.
00:04:40: Es sind nur zwanzig Prozent der kulturelle Lande, die direkt für Menschen
00:04:56: verwendet werden.
00:05:00: So ist es natürlich
00:05:02: falsch!
00:05:06: Lebensmittel herzustellen ist ressourcenintensiv – erst recht bei Protein.
00:05:11: wo entweder Eiweißreiche Pflanzen wie Sojaboden wachsen können.
00:05:15: Oder es braucht Land, wo Wiederkäuer weiden können die aus Gras Proteine herstellen und dann als Milch oder Fleisch verzehrt werden können.
00:05:24: Die Weltbevölkerung wächst immer mehr.
00:05:26: Menschen brauchen Protein.
00:05:28: das muss irgendwo herkommen.
00:05:30: Tierhaltungen und Schlachtungen werfen ethische Fragen auf.
00:05:33: Meere sind überfischt.
00:05:35: Massen-Tierhaltung zieht Probleme von Methanausstoß und Überdüngung mit sich.
00:05:41: hat man in den vergangenen Jahren über neue Proteinquellen nachgedacht, Insekten zum Beispiel oder Fleisch aus dem Labor.
00:05:48: Aber auch die brauchen Nährstoffe – Ressourcen, die letztendlich wieder aus der Landwirtschaft stammen.
00:05:56: Pitkenern will Nahrungsmittel aber effizienter herstellen und die Produktion von Lebensmitteln von der Bewirtschaftung großer Landflächen entkoppeln.
00:06:11: Scientific term is single cell protein.
00:06:14: Solafuze stellt deshalb ein Protein her, das nicht aus Pflanzen und nicht aus Tieren stammt.
00:06:19: Es wird von Bakterien hergestellt – von Einzellern!
00:06:23: Schauen wir uns also an wie diese Bakterian-Proteine in der Natur herstellen?
00:06:29: Damit hat sich Monika Konashitska-Bessler beschäftigt.
00:06:33: Ich leite eine Gruppe bei Frauenhoffer Imer Institut in Aachen Und wir beschäftigen uns mit Verstellung von Proteinen aus Bakterien, die.
00:06:45: die Proteine sollten dann als menschliche oder tägliche Nahrung dienen.
00:06:50: Wenn wir Bakterie hören denken wir meistens an Krankheiten aber eigentlich sind neunundneinzig Prozent der Bakterian völlig harmlos für uns Menschen und sogar nützlich.
00:07:00: Bakteria sind einzellige Mikroorganismen.
00:07:03: manchmal hört man auch die Bezeichnung Mikroben.
00:07:06: sie sind überall.
00:07:07: Die meisten ändern sich.
00:07:09: organischen Substanzen enthalten immer Kohlenstoff.
00:07:15: Das sind Kohlnytrate, Proteine und Fette die aus lebenden Organismen stammen aber einige Bakterienarten sind in der Lage ihren Stoffwechsel auch an anorganische Substanze anzupassen.
00:07:29: das sind Verbindungen ohne Kohlenstoff darin.
00:07:32: Dazu gehören alle chemischen Elemente, z.B.
00:07:35: Wasserstoff oder Sauerstoff und verwirrenderweise auch CO₂, also Kohlenstoffdioxid.
00:07:42: Das hat Kohlenstoff drin gehört aber trotzdem zu den anorganischen Verbindungen.
00:07:46: Wasserstoff, Sauerstoffs, COₒ sind alles Gase Und diese speziellen Bakterien können aber aus solchen Gasen die für ihr überleben wichtigen Stoff selbst herstellen.
00:07:57: das nennt man Gasfermentation.
00:08:00: Eine Art von Bakterien ist besonders gut erforscht, die diese Gasfermentation nutzt.
00:08:06: Sogenannte Knallgasbakterien.
00:08:08: Die Knallgastbakterie nutzen CO-II, also Kohlendioxid und Wasserstoff, Laustoff
00:08:14: um
00:08:15: dieser Proteine herzustellen nicht nur aber um diese Proteine zu stellen Und hat zwei brauchen sie als Energiequäle um große Mengen zu produzieren.
00:08:24: Diese Knall gasbakterian hat Konashitska Bessler in der Natur gefunden
00:08:29: also in der Aachen-Umgebung, bisschen auch in die Eifel.
00:08:33: Wir haben Erdeproben genommen und auch Wasserproben dann so ein bisschen gemischter Proben.
00:08:39: Da haben wir das einfach aus dem Isoliert.
00:08:42: Also gut für uns ist es einfach.
00:08:44: Aber ja, wir haben dann aus diesen Materialien unsere Bakterienstämme isoliert.
00:08:50: Auf die gleiche Art haben auch die Gründer von Solar Foods in Finland einen Stamm von Knallgasbakterien Xanthobacter gefunden.
00:09:00: Und der hat sich als besonders produktiv erwiesen, um per Gasfermentation Protein herzustellen.
00:09:06: Um Proteinherzustellen brauchen die Bakterien Wasserstoff, Sauerstoff, CO-II und Stickstoff – die ziehen sie aus ihrer Umgebung!
00:09:15: Das andere was Sie brauchen ist Energie.
00:09:17: Als Energiequelle nutzen Sie nicht wie Pflanzen Sonnenlicht sondern Wasserstoff.
00:09:23: Mit Hilfe eines Enzyms lösen sie aus diesem gasförmigen Wasserstoff ein Elektron und verbinden das mit einem Sauerstoffmonolikül.
00:09:31: Und bei dieser Reaktion wird Energie frei!
00:09:34: Das ist die Energie, die die Bakterien da nutzen um CO₂ zu binden und mit Stickstoff in organische Bausteine umzuwandeln – daraus entsteht dann das Protein.
00:09:45: Und wegen der Organismen, die es herstellen diesen Einzellern spricht man auch von Single Cell Protein oder Einzellerprotein.
00:09:55: In der Natur machen die Bakterien diesen Prozess ganz natürlich.
00:09:58: Wir wussten, dass diese ganzen Organisten in der Natur existieren und an VTT haben wir gelernt wie zu kultivieren diesen Organismus.
00:10:07: Bittkennen hat daran am VTT, der staatlichen finnischen technologischen Forschungszentrale gearbeitet um diesen natürlichen Prozess im Labor nachzubauen.
00:10:34: Die ersten Konzepte dazu stammen bereits aus den Sechzigerjahren.
00:10:39: Schon damals wurde daran geforscht.
00:10:41: Die Forscher wollten herausfinden, wie Bakterien im Labor mit Elektrizität Lebensmittel aus Luft herstellen könnten?
00:10:49: Wir sind gleich zurück!
00:11:09: Jetzt entdecken,
00:11:10: ab dem XX.
00:11:11: Juni im Verkehrshaus
00:11:13: in Lutzheim.
00:11:18: In der Natur ziehen Knallgasbakterien alles was sie zum Überleben brauchen tatsächlich aus der Luft und ihrer Umgebung.
00:11:26: Damit daraus ein Lebensmittel werden kann züchtet Solarfuz die Bakterien in großem Maßstab in einem Bioreaktor.
00:11:34: Da drin bilden Sie dann diesen natürlichen Prozess nach.
00:11:40: Dazu müssen Sie als erstes die Gase bereitstellen, die die Bakterien brauchen.
00:11:44: Also Wasserstoff, Sauerstoff, CO-Zweih und Stickstoff.
00:11:48: Diese Gase kommen aber in der Natur selten in Reihenform vor.
00:11:53: Sie müssen zuerst einmal gewonnen werden.
00:11:55: Einen Teil der Gase ziehen sie aus der Luft.
00:11:58: Das Verfahren heißt Direct Air Capture.
00:12:01: Man kann sich da so eine Box vorstellen.
00:12:03: Da sind an der einen Seite große Ventilatoren Und die saugen die Luft an in diese Box hinein.
00:12:09: Da drin ist ein Filter mit einer chemischen Substanz, die CO₂ binden kann.
00:12:14: Zum Beispiel Natriumhydroxid.
00:12:16: Wenn der Filter voll ist erhitzt man ihn und das CO₁ kann dann entnommen werden.
00:12:21: Dann kann man es entweder im Boden verpressen, dann ist es der Atmosphäre dauerhaft entzogen oder man kann es für industrielle Zwecke weiterverwenden als Kohlensäure für Getränke zum Beispiel oder wie bei Solar Foods für die Herstellung von Lebensmitteln.
00:12:37: Den Wasserstoff aber, den gewinnt Solarfoots nicht aus der Luft.
00:12:41: Irgendwann soll das möglich sein?
00:12:43: Aber aktuell kommt er aus dem
00:12:46: Wasser!
00:12:58: mit dem Sauerstoff verbunden.
00:13:01: Um diese feste Bindung aufzuspalten und Wasserstoff- und Sauerstoffs zu trennen, braucht man viel Energie.
00:13:08: Den Vorgang nennt man Elektrolyse.
00:13:12: Und heraus kommen gasförmiger Wasserstoff und gasförmerer Sauerstoph.
00:13:16: Wasserstoff oder Sauerstof wollen aber nicht getrennt sein!
00:13:19: Die wollen sich verbinden.
00:13:21: Wenn sie das schaffen, dann wird viel energiefrei.
00:13:24: Diese Reaktion, bei der so viel energiefrei wird kann man auch nutzen zum Beispiel... als Raketentreibstoff.
00:13:31: Und Probleme hier bei diesen Knallgasbakterien sind, dass diese Luft-Wasserstoffmischung ist schon im Bereich Explosion.
00:13:41: Wenn man eine Rakete starten will, ist die Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff gut und bei der Herstellung von Lebensmitteln in einer Fabrik eher nicht.
00:13:50: Bei der Produktion von diesem Einzeller Protein muss man deshalb sehr vorsichtig sein.
00:13:55: Sowohl Direct Air Capture als auch Elektrolyse verbrauchen sehr viel Energie.
00:14:13: Die soll aus erneuerbaren Energien kommen, wenn sie alle Rohstoffe und auch die Bakterien zusammen haben Dann stellt Solarfuß daraus das Air-Protein Soleilien her und der Prozess dafür erinnert ein bisschen ans Bierbrauen.
00:14:28: In der Fabrik steht ein Bioreaktor, das ist wie so'n großer Braukessel in der Brauerei – und in dem Bioreactor drin ist eine flüssige Nährlösung.
00:14:38: Dieser Nähr Lösung werden die ganze Zeit die Bausteine für das Protein zugeführt also Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid Außerdem noch kleine Mengen Stickstoff und Mineralien wie Calcium und Magnesium.
00:14:51: Das alles brauchen die Bakterien zum Leben, weil es denen da drin gut geht.
00:14:55: in diesem Bioreaktor vermehren sie sich und stellen dabei die ganze Zeit Protein her.
00:15:01: Am Ende ist das dann so ein dickflüssiger Brei und aus dem wird in der Zentrifuge das Wasser rausgeschleudert, dann wird das pasteurisiert und getrocknet.
00:15:12: Aus vierzig Kilogramm dieses Breis wird ein Kilogramms goldgelbes Pulver.
00:15:20: Nach Angaben von Solar Foods enthält dieses Pulver achtzig Prozent Protein und alle für den Menschen essenziellen Aminosäuren, die er nicht selber herstellen kann.
00:15:29: Der Rest sind Ballaststoffe und ein bisschen Fett.
00:15:32: Die Gnalgasbakterien produzieren Proteiner, die sehr ähnlichen Aminosaureprofil zu tierischen Proteinen zeigen.
00:15:42: Deshalb
00:15:43: sind sie sehr interessant für diese Themen, also für die Lebensmittelproduktion oder Proteine.
00:15:52: Auch Eisen und die anderen zugesetzten Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium sind in dem Endprodukt noch enthalten und größere Mengen Vitamin B-II, das die Bakterien selbst herstellen.
00:16:04: Das ist interessant, weil es sonst wirklich nur in tierischen Nahrungsmitteln zu finden ist.
00:16:09: Deshalb könnte dieses Einzellerprotein sehr interessant sein für Vegetarier und Veganer.
00:16:17: Dieses Lebensmittel besteht also eigentlich aus getrockneten Bakteriern – einem Pulver aus Zellen, die wiederum aus Proteinen bestehen.
00:16:25: Daraus lässt sich dann alles Mögliche machen!
00:16:34: und auch Proteinregel.
00:16:41: Getrocknete Einzelle, das klingt jetzt erstmal etwas ungewohnt aber man muss sich klar machen Trockenhefe zum Beispiel ist auch nichts anderes.
00:16:50: es sind einfach keine Bakterien sondern einzellige Schlauchpilze.
00:16:54: Ich denke, die kulturellen und ethischen Höhen dürfen eher niedriger sein als bei anderen neuartigen Proteinquellen mit Fleisch aus dem Labor oder Insekten.
00:17:04: Was ja viele eher eklig finden!
00:17:07: Und wir essen sowieso schon immer Bakterien.
00:17:10: Die stellen für uns Joghurt her, Sauerteigbrot, Sauerkraut oder Kimchi – und Bier.
00:17:16: Wichtig ist also vor allem es muss sicher sein und es muss gut
00:17:20: schmecken.
00:17:28: Und dann kann sich Pitkenen seinen nächsten Plänen widmen, nämlich einer Nahrungsproduktion in Orten an denen Landwirtschaft nicht möglich ist.
00:17:37: Aber Menschen länger Zeit verbringen werden – zum Beispiel im Weltraum!
00:17:41: Also wenn wir jetzt noch mal zurückdenken, Ende den neunzeltzechziger Jahre sind ja Menschen erstmals zum Mond geflogen.
00:17:47: Die Raumfahrtbehörde der USA, die NASA hat damals schon verschiedene Methoden erwogen wie man Astronauten bei einem längeren Aufenthalt im All ernähren könnte und eine davon war Nahrung aus der von den astronauten ausgeatmeten Luft herzustellen.
00:18:04: Da sind ja CO-Zwei und auch Sauerstoff zum Beispiel schon drin, mit denen dann Knallgasbakterien Proteine herstellen können.
00:18:11: Das Projekt wurde aber nicht weiter verfolgt.
00:18:14: Aber jetzt hat die Raumfahrt gerade wieder aufschwungen.
00:18:17: Man
00:18:17: spielt mit dem Gedanken einer Siedlung auf den Mond oder eine Reise zu Mars Und da wird dieses Konzept plötzlich wieder interessant.
00:18:26: Die europäische Raumfahrtbehörde, die ESA hat vor kurzem eine Kooperation mit Solar Foods bekannt gegeben.
00:18:32: Sie wollen jetzt testen ob diese Produktion von Einzeller Protein auch im Weltall funktionieren könnte.
00:18:42: Das ist ein
00:18:54: bisschen umgekehrt wie auf der Erde.
00:18:56: Auf der Erde muss man möglichst große Mengen produzieren, damit es wirtschaftlich ist.
00:19:01: aber im Weltall muss man diesen ganzen Prozess in so einen kleinen Container quetschen.
00:19:06: Der muss da drin autonom ablaufen können und das Ganze muss in eine Rakete passen.
00:19:11: Aber wenn's diesem Container, der jetzt gerade entwickelt wird dann mal gibt Dann könnte er auch an andere Orte auf der Erde verschiff werden, wo die Bedingungen ähnlich sind.
00:19:21: Zum Beispiel Forschungsstationen in der Antarktis.
00:19:28: Äste das klingt doch super!
00:19:29: Wir können Lebensmittel quasi aus unserer Atemluft herstellen.
00:19:32: Sag mal was muss denn noch passieren dass diese Proteine wirklich im Supermarktregal landen?
00:19:37: Die müssten halt erstmal zugelassen werden.
00:19:40: Das sind sie im Moment noch nicht, denn in der EU gibt es seit nineteen sieben neunzig eine sehr strenge Regel.
00:19:46: alles was damals nicht als Lebensmittel auf dem Markt war gilt als Novel Food als neuartiges Lebensmittel.
00:19:54: Und Hersteller, die sowas auf den Markt bringen wollen müssen dann erst mal Studien und Tests vorlegen, die von EU-Behörden sehr gründlich geprüft werden.
00:20:03: Solar Foods hat im Oktober zwanzig einundzwanzig die Zulassung von Soliin für Europa beantragt.
00:20:09: Und Pitgenen hat mir gesagt er ist zuversichtlich dass dieses Jahr also fünf Jahre später die Zulasse endlich kommen wird.
00:20:16: Gibt es denn schon Ländern in denen Soliinn zugelassen?
00:20:20: Singapur war ein bisschen schneller, die haben schon zwanzig-zweiundzwanzig das zugelassen als Novel Food und dort kann man in einigen Restaurants Gerichte mit Zoliinen bestellen.
00:20:30: Und in den USA, da kann man jetzt einen Proteinpulver für Sportler kaufen.
00:20:34: Gut dann bin ich mal gespannt wann Protein pulver, Proteiniogo, Proteinwasser aus Bakterienproteinen auch bei uns verfügbar sind.
00:20:43: ist denn dieses Protein gesund?
00:20:46: Also es enthält alle essentiellen Aminosäuren, das ist erst mal gut.
00:20:50: Aber Bakterien enthalten besonders viel DNA und RNA sogenannte Nukleinsäuren.
00:20:57: Und wenn Menschen zuviel davon essen können sie Gicht oder Nierensteine bekommen.
00:21:02: Deshalb sollte der Gehalt in Lebensmitteln an diesen Nukleiensäuren maximal zwei Prozent sein!
00:21:08: Bei den Bakterienprotein ist es aber zuerst acht bis fünfzehn Prozent, also viel zu viel und deswegen muss das in einem weiteren Produktionsschritt abgereichert werden.
00:21:18: Und wie kann man solche Nukleinsäuren abreichern?
00:21:21: Weil Solar Foods machen Sie das mit einer speziellen Hitzebehandlung.
00:21:24: Das Pulver enthält in einem Ende noch ungefähr zwei Prozent Nukleiensäuren – das ist recht viel, aber auch noch okay!
00:21:30: Wenn dann also dieses Bakterienprotein irgendwann in großer Menge produziert wird und auch von den Menschen konsumiert wird, senkt das denn wirklich die Umweltbelastung der Lebensmittelproduktion?
00:21:41: Also Pitcannon und seine Kollegen haben es durchgerechnet.
00:21:44: Und sie sagen, die Produktion von einem Kilo von ihrem Protein verbraucht ungefähr sechshundert Milliliter Wasser.
00:21:51: Der Stickstoff wird im Moment noch als Ammoniak aus Erdgas zugefügt.
00:21:56: Da wird bei der Produktion CO² frei, das ist natürlich nicht so gut.
00:22:01: Der Stickstoff soll aber langfristig mit umweltfreundlichen Verfahren gewonnen werden.
00:22:05: Und was ist mit der ganzen Energie die diese Prozesse brauchen?
00:22:08: Die muss aus erneuerbaren Quellen kommen sonst macht es wirklich keinen Sinn.
00:22:12: Das machen sie bei Solar Foods auch und das ist ihnen auch sehr wichtig.
00:22:15: Das Ergebnis sagen Sie Solin braucht nur null Prozent der Landfläche und ein Prozent des Wassers wie die gleiche Menge Rindfleisch brauchen würde.
00:22:25: Aber kann dieses Soleilin den Protein bedarf der Welt decken?
00:22:29: Also ein Bereich, wo der Proteinbedarf sehr groß ist.
00:22:32: Ist das Tierfutter und da gibt es auch schon einzelne Proteinen auf dem Markt.
00:22:38: Es gibt zum Beispiel ein deutsches Start-up namens Micro Harvest aus Hamburg.
00:22:42: die machen was Ähnliches wie Solar Foods wenn auch nicht aus Luft sondern mit Reststoffen aus der Landwirtschaft.
00:22:48: aber die haben eben schon Produkte auf dem Markt.
00:22:50: Das wird an Tiere verfüttert Und auch dass spart natürlich landwirtschaftliche Fläche
00:22:55: Und bei Menschen?
00:22:56: Ich denke, es kann eine weitere Quelle oder eine Alternative zu Proteinen aus Pflanzen und Tieren werden.
00:23:03: Wahrscheinlich nicht als Hauptquelle aber man könnte sagen wenn wir einen Teil des Bedarfs mit Bakterien Proteinen decken könnten dann hätte das wahrscheinlich schon positive Auswirkungen.
00:23:15: Vielen Dank Esther!
00:23:16: Gerne Ihr könnt Quantensprung nicht nur hören sondern auch lesen.
00:23:21: Im Newsletter findet ihr die wichtigsten Fakten aus dieser Folge auf einen Blick und zusätzlich noch weiteren Lesestoff.
00:23:27: Den Link zur Anmeldung findet ihr in den Shownotes.
00:23:30: Das war Quantensprung, ein Podcast für Forschung, die bewegt!
00:23:34: Ich bin Lena Waldler – wir hören uns wieder nächste Woche.
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