Fussball-Analytics: Wie man mit Wissenschaft Weltmeister wird
Shownotes
Es ist der Traum aller Fussballer. Der grösste Wunsch der Trainerteams. Die Hoffnung aller Fans: der Weltmeistertitel. Um das ersehnte Ziel zu erreichen, wird der Fussball immer professionalisierter. Immer weniger wird dem Zufall überlassen. Um auf dem höchsten Niveau zu bestehen, bedienen sich Mannschaften wissenschaftlicher Methoden. Ein ETH-Professor hat ein Analysetool entwickelt, das die Taktik ganzer Teams auf einen Blick entlarvt. In dieser Episode blicken wir hinter die Kulissen der Digitalisierung des Sports und zeigen, wie wissenschaftliche Methoden, Daten und Algorithmen genutzt werden, um Teams in Weltmeister-Form zu bringen.
ETH-Professor Ulrik Brandes erklärt, wie aus Millionen von Positionsdaten taktische Muster entschlüsselt werden und was ein sogenannter Position Plot über das Spiel der Schweizer Nationalmannschaft verrät. Zudem beleuchten wir die psychologische Seite des Erfolgs: Der Sportpsychologe Darko Jekauz zeigt auf, wie Krisen auf dem Platz mathematisch berechenbar werden und wie Teams der emotionalen Abwärtsspirale durch gezieltes Achtsamkeitstraining entkommen können. Schliesslich räumen wir mit alten Mythen rund um das Elfmeterschiessen auf.
Host: Lena Waltle Co-Host: Leonid Leiva Ariosa
In dieser Folge hörst du ausserdem:
- Ulrik Brandes (ETH-Professor)
- Darko Jekauz (Sportpsychologe am Karlsruher Institut für Technologie)
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«NZZ Live»-Veranstaltung: Von Science-Fiction zur Realität: Lebensraum Weltall? Ein Gespräch mit Thomas Zurbuchen und Rabea Rogge. Dienstag, 30. Juni 2026, 20.00 Uhr, Kaufleuten, Zürich
Transkript anzeigen
00:00:00: Dieser Podcast wird präsentiert vom Verkehrshaus der Schweiz in Luzern.
00:00:04: Entdecken Sie die neue Ausstellung Rheinhäfen, unser Tor zur Welt!
00:00:12: Das ist Quantensprung – ein Podcast der NCZ über Forschung, die bewegt.
00:00:27: Es ist der Traum aller Fußballer Der größte Wunsch der Trainerteams Die Hoffnung aller Fans Ein Weltmeistertitel.
00:00:35: Seit und neunzehnt hundertdreißig kämpften über achtzig Nationen In zweiundzwanzig Weltmeisterschaften um diesen Pokal.
00:00:44: Seit letzter Woche spielen wieder forty- acht Mannschaften in den USA, Kanada und Mexiko um den Fußballweltmeistertitel.
00:00:52: zwei tausend sechsundzwanzig.
00:00:54: Seit Jahren wird der Fußball immer professionellisierter – immer weniger wird dem Zufall überlassen!
00:01:01: Jeder Spielzug wird analysiert das Spiel wirkt fast schon robotisiert.
00:01:05: Das kann man nun gut oder schlecht finden aber diese Entwicklung ist nun einmal da und um auf dem höchsten Niveau zu bestehen müssen sich Mannschaft wissenschaftlicher Method bedienen.
00:01:14: Ich durfte mit einem ETH-Professor sprechen, der die Analysten der Schweizer Nationalmannschaft berät und er entwickelt Datenanalyse Algorithmen, die die Analysten unterstützen.
00:01:30: Dieser Professor heißt Ulrich Brandes und wenn er nicht gerade die Schweizer nationalmannschaft in ihrer Taktik berät unterrichtet er die nächste Generation an professionellen Fußballanalysten.
00:01:40: Also ich habe mir im Frühjahr in den Jahr zwanzig-zweiundzwanzig eine Vorlesung anbieten wollte über Fußballdaten.
00:01:48: Ich habe sie dann Soccer Analytics genannt, wie man denkt das es American Football ist.
00:01:53: Soccer analytics ist einer der beliebtesten Vorlesungen an der ETH Zürich auch die Chefanalyste der Schweizer Nationalmannschaft schaut manchmal vorbei.
00:02:01: also
00:02:01: der Kurs ist uns in diesem Semester fast um die Ohren geflogen weil wir siebenhundert Teilnehmer hatten.
00:02:06: alle wollen lernen Wie wird eine Mannschaft Weltmeister?
00:02:40: Als im neunzehnten Jahrhundert die Regeln gemacht wurden, war die Idee vom Fußball sicherlich noch ein bisschen andere.
00:02:46: Ulrich Brandes schaut nie einfach nur Fußball!
00:02:50: Es wurde sehr viel Ball nach vorne getragen, weil das letztlich das Ziel war und war auf Vorwärtspässe gar nicht erlaubt worden.
00:02:56: Er kann gar nichts anders.
00:02:58: Der Informatiker- und Sozialwissenschafte analysiert immer auch die Taktik der Teams
00:03:03: Und erst mit der Einführung des Vorwärtspasses ist dann das Kombinationsspiel aufgekommen, dass man also mehr untereinander passt.
00:03:11: Dass man über die Aufstellung versucht nicht nur einen Dribbler nach vorne zu bringen, der dann wenn er nicht mehr weiter kommt den Ball abgibt an den nächsten Versuch sondern das als Mannschaft geschlossener gearbeitet wird
00:03:22: und seitdem versuchen Träne des Zusammenspiel ihrer Mannschaft immer weiter zu verbessern.
00:03:27: in dem Sinne hat man immer schon versucht den Fußball zu berechnen nur dass man es nicht mit mathematischen Größen gemacht.
00:03:33: Ulrich Brandes soll dabei helfen, dass diese Analyse nicht auf einem Bauchgefühl aufbaut.
00:03:38: Seine Berechnungen basieren auf Daten – auf Daten über jeden Spieler, jede Mannschaft und jedes Turnier.
00:03:45: Man kann die aber in drei Kategorien grob unterteilen.
00:03:48: zum einen die Wettbewerbsdaten wann wird wo gespielt zu welchen Zeiten wer ist der Schiffsrichter usw.
00:03:57: Zweitens stellen auch die Vereine oder die Nationalmannschaften ihre Stammdaten, ihrer Spieler zur Verfügung.
00:04:04: Da geht es um das Alter, die Verletzungen.
00:04:08: und dann drittens gibt es die Daten zu den Matches, zu den Spielen selbst und da geht es zum einen um sogenannte Ereignis-Daten was im Spiel passiert wie viele Pässe gespielt werden.
00:04:21: pro Spiel werden zwei tausend bis dreitausend Pässes gespielt.
00:04:25: Wie viele Falsen?
00:04:26: Wie viele Einwörfe Eckbähle, Schüsse auf Store, gelbe Karten, rote Karten – all diese Dinge werden dokumentiert.
00:04:34: Und dann sind die Positionsdaten.
00:04:36: Da wird einfach die Position der Spieler zu jedem Zeitpunkt sowie die Position des Balls getrackt.
00:04:43: Das heißt, pro Sekunde wird die Position dieser Spieler fünfundzwanzig Mal
00:04:47: aufgezeichnet.".
00:04:48: Diese Daten sind die Grundlage für die Optimierung der Teams Und Leonid und ich haben uns überlegt, wie wir auf Basis dieser Daten eine wissenschaftlich geprüfte Mannschaft zusammenstellen könnten.
00:04:59: Das beginnt zuerst mit der Auswahl der Spieler.
00:05:02: Also im Scouting dann ganz sicher viele datengetriebene Methoden eingesetzt würde ich sagen denn Scouting ist ja auch der Bereich in dem man unmittelbarer sieht ob man erfolgreich gewesen ist oder nicht.
00:05:14: Und die Daten sollen dabei helfen jeden einzelnen Spielern in Bestform zu bringen.
00:05:19: Im Bereich Athletik-Training ist es seit vielen Jahren ein Standard, dass Daten analysiert werden und das Belastungssteuerung darüber gemacht wird.
00:05:28: Man versucht frühzeitig Verletzungen zu erkennen oder Verletzensgefahr einschätzen zu können.
00:05:34: Das ist die Funktion von diesen sogenannten Sportbehass, die man sieht wenn die Spieler nach dem Spiel das Trikot ausziehen.
00:05:41: Damit wird vor allem die Herzrate gemessen wann ein Spieler einen Sprint zum Beispiel gelaufen ist.
00:05:52: Also die Athletiktrainer verwenden die Positionsdaten ihrer Spiele, um zu sehen wie viele intensive Läufe haben sie gehabt?
00:06:00: Wie groß war die Belastung im Livefall?
00:06:03: Könnte man sogar danach gucken!
00:06:04: Ist es so dass die Sprints kürzer werden und die Höchstgeschwindigkeit geringer wird in der Zeit, die man auszuwechselt?
00:06:10: Diese Belastungen wären über das gesamte Spiel aber übrigens auch im Training gemessen Und so können die Trainer auch die Leistung, aber auch den Einsatz der einzelnen Spieler messen.
00:06:21: Die Ernährung ist auch ganz wichtig.
00:06:24: Dann psychologisches mentales Training gehört dazu.
00:06:27: Also wenn man Fußballprofi ist wird wirklich nichts im Zufall
00:06:30: überlassen.".
00:06:37: Nur reicht es bei einem Mannschaftssport nicht, Talente zu scouting und sie in Bestform zu bringen?
00:06:48: sondern sie müssen natürlich eingesetzt werden und deswegen sind Sie eingebettet in einem System.
00:06:53: Es braucht ein System, in dem Spieler zu Höchstleistungen auflaufen können – genau das ist Ulrich Brandes Spezialgebiet!
00:06:59: Denn aus all diesen Daten lässt sich noch etwas herauslesen die Taktik der Gegner und wie die eigene Mannschaft sich daran anpassen kann.
00:07:08: Also ich sage jetzt immer Fußball ist mein Modellsystem in dem ganz viele von den Dingen, die mich methodisch interessieren, vorkommen.
00:07:20: In seiner Forschung beschäftigt sich Brandes mit sozialen Netzwerken, aber eben nicht nur mit Social Media wie Facebook oder Instagram.
00:07:27: Sondern mit allem was auf sozialen Beziehungen beruht also mit Parteien, mit Tierschwärmen und auch mit Mannschaften.
00:07:34: Und das ist etwas was natürlich auch beim Fußball eine wichtige Rolle spielt.
00:07:39: es ist ja ein Mannschaftssportart.
00:07:43: Da kann eben Ulrich Brandes die Methoden, die er in anderen Bereichen seiner Forschung anwendet, auch auf den Fußball anwenden.
00:07:53: Dazu gehören bestimmte mathematische Techniken der sogenannten Netzwerkanalyse.
00:07:58: Die wendet er auf die Analyse der taktischen Aufstellung von Mannschaften an zum Beispiel.
00:08:05: Brandes nutzt in seiner Vorlesung Fußball vor allem um seinen Studierenden diese komplizierten Methoden möglichst unterhaltsam beizubringen.
00:08:14: Aber gleichzeitig helfen seine Analysen auch, den Gegner beim Fußball besser zu verstehen!
00:08:20: Die Gegneranalyse basiert vor allem auf Video-Analyse.
00:08:24: Das heißt die Analysten schauen stundenlang Videos von den Spielen von ihren Gegnern.
00:08:30: Da gibt es das Beispiel vom jetzigen Nationaltrainer Uruguay's Marcelo Bielsa Fußballwelt als Eloko, also der Verrückte bekannt.
00:08:42: Weil er eben so akribisch vorgeht.
00:08:45: Er wurde als er noch Trainer vom Englischen Club Leeds United in der Premier League in England war, wurde er bekannt für das sogenannte Spygate.
00:08:55: da ist nämlich kurz vor einem Spiel aufgeflogen dass er einen Spion zum Training des Gegners schickte.
00:09:02: Und als das aufgeflogen ist, hat er einfach die Flucht nach vorne gewählt.
00:09:08: Hat eine Pressekonferenz einberufen und anstatt sich zu entschuldigen, hat der einfach gestanden dass er das eigentlich vor jedem Spiel macht.
00:09:18: Dann hat er gesagt für ihn gehört es zum Job!
00:09:21: Das ist seine Pflicht... ...und dann hatte auch noch verraten wenn er einen Gegner analysiert für jedes Spiel des Gegners vier Stunden mit der Videoanalyse verbringt.
00:09:34: Das ist etwas, das veranschaulicht eben wie zeitaufwendig diese Gegneranalyses sein
00:09:39: kann.".
00:09:41: Mit seinen mathematischen Methoden hat Brandes ein Tool entwickelt, dass eine Ergänzung zu diesen klassischen Videoanalysen darstellt und mit dem man die Taktik ganzer Teams auf nur einen Blick sehen kann!
00:09:54: Aber ich glaube, das was am wenigsten Standard ist von dem, was wir tun, ist die dynamische Analyse der Positionierung von Spielern.
00:10:03: Was Brandes den Analysten vor dem Spiel liefert, ist ein sogenannte Positionplot für alle Spieler einer Mannschaft.
00:10:10: Worum es geht?
00:10:12: Er möchte die Position jedes Spielers eine Mannschaft zu jedem Zeitpunkt aufzeichnen anstatt die durchnittliche Position über die gesamte Spielzeit die Position des Spielers und zwar im Verhältnis zu den Mitspielern aufzuzeichnen.
00:10:28: Es geht nicht darum, wo genau auf dem Platz der Spieler steht sondern wo in Mannschaftsgefüge der Spieler jeweils steht.
00:10:37: Und er macht das mit mathematischen Methoden.
00:10:41: Was Brandes den Analysten vor dem Spiel liefert ist ein sogenannte Positionplot für alle Spieler einer Mannschaft
00:10:51: für jeden Spieler, aber farbig.
00:10:54: Jeder Spieler hat eine obere und eine untere Farbe.
00:10:58: Die unterefarbe sagt dir, ob der Spieler ein Sturmer, ein Verteidiger oder einen Mittelfeldspieler ist und die untere farbe sagt ihr, ob er über links, über rechts oder durch die Mitte spielt.
00:11:10: Zu diesen Farben kommt Brandes in dem er ... Er hat diese Videodaten.
00:11:15: daraus extrahiert er die Position jedes Spielers zu jedem Zeitpunkt und dann verbindet er die Punkte, die für jeden Spieler stehen mit Linien.
00:11:25: Und bildet drei Ecke, die die Spieler miteinander verbinden.
00:11:30: dieses Dreiecks-Netz das dadurch entsteht nennt man eine Deloni Triangulation.
00:11:36: Das ist eine Unterteilung des Raums in drei Ecken.
00:11:40: Die benutzt man zum Beispiel auch in der Biometrie um Fingerabdrücke oder Gesichter zu erkennen und eben die benutze ich hier auch, um die taktische Aufstellung einer Mannschaft zu entschlüsseln.
00:11:54: Auf Basis dieser Dreiecke zieht Brandes Linien durch das Spielfeld und teilt das Feld in Zonen ein.
00:12:01: Je nachdem, in welcher Zone sich ein Spieler befindet werden ihm andere Farben zugeteilt.
00:12:06: Also jeder Spieler bekommt dann zwei Farben.
00:12:09: Die eine Farbe steht dafür, wie hoch der Spieler steht.
00:12:12: Das heißt ob er Verteidiger, Mittelfeld oder Stürmer ist und die untere Farbe stellt dafür, ob er über links, über rechts oder durch die Mitte spielt.
00:12:24: Und wenn man einmal diese zwei Farben zu jedem Zeitpunkt über ein gesamtes Spiel für jeden Spieler aufzeichnet dann sieht man an diesem auf den ersten Blick sehr komplizierten Positionplot wo dieser Spieler am häufigsten zu treffen ist, ob er auch einmal die Position wechselt.
00:12:45: Ob er vielleicht mit einem anderen Spieler die Position in der eigenen Mannschaft wechseln.
00:12:50: Das heißt an hat auf einen Blick ein Überblick über die Position jedes Spielers über den gesamten Spiel verlauf.
00:12:59: Um diese Methode noch etwas zu verdeutlichen, hat Brandes sie auch anhand eines konkreten Spiels erklärt.
00:13:05: Und zwar einem Spiel aus der WM-Qualifikation Schweiz gegen Schweden!
00:13:29: die nicht seine typische Position ist.
00:13:31: Also er taucht in der Abwehr auf, als wäre er Innenverteidiger und dann hat Brandes sich die Positionen aller Spieler von dem Amtpfiff bis zur Zweiundzwanzigsten Minute angeschaut, hat diese farbigen Positionplots gezeichnet und dann sieht man dass die Position in der Zwei-undzwzigsten Minute zwar ungewöhnlich ist, aber keine Ausnahme.
00:14:00: Es kommt mehrere Male während des Spiels vor, v.a.
00:14:03: bei Schacker weil er als Spielmacher in der Schweizer Mannschaft sich oft zurückfahren lässt um im Spielaufbau von vorne oder von hinten vom Abwehr-Reihe aus mitzuhelfen.
00:14:18: und Das ist natürlich etwas, das man weiß wenn man die Schweizer Nationalmannschaft genug geschaut hat.
00:14:25: Aber wenn man jetzt plötzlich zum Beispiel im sechzehntel Finale gegen Iran oder Ägypten spielt... Die Mannschaften kennen wir vielleicht nicht so gut weil das sind Mannschaft mit denen man als Schweizer nationalteam nicht so oft spielt Und deswegen sind das Situationen in denen es hilft zu wissen, dieser Spieler erfüllt diese Funktion und dann weiß man besser wie man diesen Spieler während des Spiels neutralisieren kann.
00:14:52: Brandes betont dem Gespräch mit uns aber – er gibt keine taktischen Empfehlungen!
00:14:57: Man kann seine Methode auf den Gegner anwenden und dann sieht man schneller, was gibt es für wiederkehrende taktische Muster.
00:15:05: Und man kann so die Spielart der eigenen Mannschaft auf die des Gegners vorbereiten!
00:15:13: Eigentlich sollte sich so eine wissenschaftlich fundierte Mannschaft doch von nichts mehr stoppen lassen – doch trotzdem passiert während des Spiels irgendetwas.
00:15:21: Ein Gegentor, ein unerwartetes Schiedsrichter entscheidet…und das Spiel kippt.
00:15:26: Krisen beginnen im Fußball mit dem Moment, in dem eine Mannschaft nicht mehr daran glaubt und dass sie das Spiel noch kontrolliert.
00:15:33: Wie bekommen wir die Mannschaft da nun wieder raus?
00:15:37: Wir sind gleich zurück!
00:15:44: Die Schweiz ist ein Binnenland – und doch mit den Weltmeeren verbunden.
00:15:47: Der Rhein ist unser Zugang zu den wichtigsten Handelswegen Europas.
00:16:08: Wir haben ein Verfahren entwickelt, mit dem wir eine Krise objektiv beschreiben können.
00:16:13: Das lässt sich aus den Daten herauslesen.
00:16:24: Sport
00:16:25: in Allgemein ist eine Arena, in der wir Emotionen analysieren können.
00:16:32: Das ist sozusagen so wie ein Experiment im Live durch die Rahmenbedingungen, durch die Spielregel entstehen auf eine ganz natürliche Art und Weise.
00:16:40: Emotionen entwickeln ihre Dynamik.
00:16:42: Je kautzer deine Methode entwickelt mit der berechnen kann, wie Emotionen entstehen und wie sie sich dann auch auf andere ausbreiten – und zwar Emotion von Siegessicherheit bis hin zu komplette Verzweiflung!
00:17:00: Ich hätte nicht gedacht, als wir daran gearbeitet haben, dass es so präzise funktionieren wird.
00:17:06: Ein mathematisches Modell zu entwickeln, das solche Komplexerhandlungen vorhersagen kann.
00:17:11: Mit seinem Modell konnte Jekows mit ziemlicher Sicherheit vorher sagen welche Träner noch während der laufenden Saison entlassen werden.
00:17:20: Dadurch
00:17:21: sich die Emotionen ausbreiten und auf einer gleichen emotionalen Welle denken fast alle Menschen auf eine ähnliche Art und Weise, und fühlen das Gleiche.
00:17:30: Aber das macht dann auch für uns das ganze Vorhersagen.
00:17:33: Wir können nicht so vorher sagen was denkt der Einzelne sondern wir können diese große Welle praktisch vorhersage und daraus schließen wie die Personen handeln
00:17:42: werden.".
00:17:43: Und
00:17:43: diese Berechnung lässt sich auch auf ein einzelnes Spiel übertragen.
00:17:46: Eine Mannschaft kippt meist nichts wegen eines Gegentors.
00:17:50: Sie kipped, wenn aus seinem Gegentor ein psychologisches Signal wird.
00:17:55: also jetzt verlieren wir die Kontrolle und dann verändert sich die Wahrnehmung im Team.
00:18:00: Die Spieler werden vorsichtiger der Aufmerksamkeitsfokus verengt sich einfache Entscheidungen werden schwieriger.
00:18:07: dieses Gefühl der Unsicherheit das breitet sich von einem spieler auf die anderen aus und es entsteht daraus eine Abwärtsspirale aus der die ganze Mannschaft erst mal wieder rauskommen muss.
00:18:17: Und dazu empfiehlt der Sportpsychologe Achtsamkeitstraining.
00:18:21: Eine Mannschaft kommt wieder on track, wenn sie vom Katastrophenmodus in den Handlungsmodus zurückfindet.
00:18:29: Der Trainer muss Komplexität reduzieren, der Captain muss Ruhe und Orientierung auf einen Fall geben und die Mannschaft muss sich auf kleine kontrollierbare Handlungen konzentrieren.
00:18:44: Unsere wissenschaftlich geprüfte Mannschaft hat ihre Krise zum Glück überstanden.
00:18:48: Sie hat neunzig Minuten durchgehalten und steht jetzt vor einer letzten großen Hürde, dem Elfmeter schießen.
00:18:55: Und auch das hat Ulrich Brandes mathematisch vermessen.
00:18:59: Über den Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren haben wir etwa fünfzigtausend Elfmetern aus ganz Europa gesammelt die im Spiel stattgefunden haben oder in den Elfmieter schießen.
00:19:10: und dann haben wir zunächst mal geguckt was sind die?
00:19:13: Und dann zeigt sich als Allererstes, die erfolgsgrote Impfspiel ist höher als im Elfmeterschießen.
00:19:19: Was Brandes zum Elfmeter Schießen herausgefunden hat, ist dass ein Mittus über das Elfmeter-Schießen nicht stimmt.
00:19:28: Nämlich, dass die Mannschaft, die es zuerst schießt einen Vorteil hat oder dass die Manche auf sie zuerst Schießt eher gewinnt.
00:19:35: Das stimmt nicht!
00:19:36: Das hat seine statistische Analyse ergeben.
00:19:40: Das heißt aber nicht, dass Elfmeterschießen komplett eine Lotterie wäre, wie man auch so oft hört.
00:19:48: Sondern er hat mir gesagt, dass natürlich eine Mannschaft die bessere Elfmeter schützen hat wird wahrscheinlich immer noch eine höhere Wahrscheinlichkeit zu gewinnen haben.
00:19:57: Auch das die Spieler, die während des Spielschießen im Spiel häufiger treffen als im Elfmeter Schießen – das ist auch wieder ein Hinweis darauf, dass es Elf-Meter-Schießen schwieriger ist durch diesen Druck, den man hat und die Möglichkeit nach dem langen Spiel.
00:20:15: Und dass die meisten Schüsse von den Schützen verschossen, also daneben geschossen werden... ...und das ist auch interessant weil häufig werden nach dem Elfmeter schießen die Torhüter gefeiert als Helden wenn sie einen Schuss parieren aber in der Wirklichkeit ist es statistisch so, dass die meistens Schüssen einfach daneben gehen.
00:20:37: Leonid und ich werden jetzt noch weiter darüber grübeln, wie wir unsere imaginäre wissenschaftlich geprüfte Mannschaft weiter optimieren könnten.
00:20:45: Währenddessen kümmert sich Ulrike Brandes um die Schweizer Nationalmannschaft – denn erst für die nächsten Wochen nimmt Teamquartier in San Diego!
00:21:05: Die
00:21:13: spielt sicher eine Rolle, aber es ist schwer zu quantifizieren wie viel sie ausmacht.
00:21:18: Am Ende müssen die Spieler die Vorgaben der Trainer, die wiederum Inputs von den Analysten bekommen haben selber umsetzen.
00:21:27: Es ist nicht so dass ein Star alleine eine Mannschaft zum Weltmeister-Titel führen kann.
00:21:34: Alle müssen wirklich zusammenspielen.
00:21:36: Es gibt viele Mannschaften die Superstars hatten und trotzdem nie eine Weltmeisterschaft gewonnen haben.
00:21:42: Sind den Trainer die mehr Welt auf die Taktik legen erfolgreicher?
00:21:46: In den letzten Jahren ist es wirklich so, dass Trainer, die dafür bekannt sind das sie wirklich obsessiv sich mit Taktikum beschäftigen sehr erfolgreich gewesen sind.
00:21:57: Ein gutes Beispiel ist Pep Guardiola der bei Barcelona beim FC Bayern München und zuletzt in Man City Manchester England sehr erfolgreich geworden war.
00:22:08: Viele sagen er ist der beste Trainer der Welt.
00:22:12: Und er ist einer, der sehr viel Wert auf taktische Analyse und taktige Vorbereitung
00:22:18: legt.".
00:22:19: Das klingt alles wahnsinnig over-engineered!
00:22:21: Kommt da am Ende überhaupt noch ein spannendes Spiel raus?
00:22:23: Wenn man versucht das alles so zu berechnen oder mathematisch zu zerlegen...
00:22:28: Es gibt tatsächlich viele Leute die ein bisschen nostalgisch sind, die sich den alten Fußball zurückwünschen wie der früher war voller Überraschungen, voller Emotionen.
00:22:38: ich würde sagen Auch im modernen Fußball steckt immer noch viel Emotion und Überraschung.
00:22:45: Aber ich stimme auch ein bisschen mit diesem Nostalgekern überein, dass die Spiele immer voraussehbarer werden weil die taktischen Vorgaben der Trainer so streng zum Teil sind Und die Spieler sich so diszipliniert dran halten Dass man relativ genau wenn man genügend Fußball geschaut hat vorhersehen kann, was wird als nächstes passieren.
00:23:12: Aber natürlich gibt es nach wie vor diese überdurchnittlich talentierten Spieler die Kreativen, die Magier, wie man sie auch nennt, die dann einen Einfall haben, die einfach etwas Neues probieren und das sind dann die Momente, die einem vom Stuhl reißen wo man wieder den Fußball in seiner ganzen Schönheit genießt.
00:23:39: Übrigens, Ulrich Brandes hat auf Basis von Wettquoten auch noch berechnet wie groß die Chancen der Schweiz stehen Weltmeister zu werden.
00:23:48: Insgesamt sagt er liegt die Wahrscheinlichkeit bei ungefähr zwei Komma fünf Prozent.
00:23:54: Wir wünschen viel Spaß beim Mitfiebern!
00:23:57: Das war Quantensprung ein Podcast über Forschung die bewegt.
00:24:00: ihr könnt Quantenspuren nicht nur hören sondern auch lesen.
00:24:03: Im Newsletter findet ihr die wichtigsten Fakten aus dieser Folge auf einen Blick und zusätzlich noch weiteren Lesestoff!
00:24:09: Den Link findet ihr in den Show notes.
00:24:11: Ich bin Lena Waldle, wir hören uns wieder nächste Woche.
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