Präzisionsmedizin: Mit Multiomik zur massgeschneiderten Gesundheit

Shownotes

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Stell dir vor, wir würden jedem Menschen genau die gleichen Schuhe anziehen. In der Medizin machen wir oft genau das: Wir behandeln Menschen auf Basis von Durchschnittswerten, obwohl jeder ein Individuum ist. Die Vision der Präzisionsmedizin verspricht eine Abkehr von dieser Einheitsbehandlung hin zu maßgeschneiderten Therapien. Doch wie weit ist die Forschung wirklich?

In dieser Folge von Quantensprung blicken wir auf das enorme Potenzial der Stratifizierung, also der Einteilung von Patienten in genetische Untergruppen. Am Beispiel der Krebsmedizin und der chronischen myeloischen Leukämie zeigt sich bereits, wie gezielte Therapien Leben verändern können. Um die komplexen Krankheitsursachen zu entschlüsseln, setzen Forschende auf sogenannte Multi-Omics-Analysen, die von der Genomik über die Proteomik bis zur Metabolomik das gesamte molekulare Bild des Körpers erfassen.

Die riesige Datenflut stellt die Medizin jedoch vor logistische Probleme. Hier könnte Künstliche Intelligenz in Zukunft autonom Entscheidungen unterstützen und die passendsten Therapiewegen vorschlagen. Wir diskutieren, ob die Präzisionsmedizin den Hype hinter sich gelassen hat und wie die Errungenschaften breiter verfügbar gemacht werden können.

Host: Lena Waltle, NZZ-Wissenschaftsredaktion Co-Host: Georg Rüschemeyer, NZZ-Wissenschaftsredaktion

In dieser Folge hörst du ausserdem:

  • Stefan Fröhling (Onkologe und Abteilungsleiter am Deutschen Krebsforschungszentrum),
  • Michael Snyder (Professor an der Universität Stanford)

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Transkript anzeigen

00:00:04: Das ist Quantensprung, ein Podcast der NCZ über Forschung die bewegt.

00:00:17: Stellt euch vor wir würden jedem Menschen genau den gleichen Schuh anziehen.

00:00:22: Einigen wir uns auf Durchschnittsgröße vierzig Leder schmal geschnitten.

00:00:27: Einigen von uns würde dieser Schuhe sicher gut passen Aber mir werde viel zu groß und meinem Kollegen Georg sicher sehr viel zu klein Denn die Menschen sind eben unterschiedlich.

00:00:38: Und deshalb würde ja auch niemals jemand auf die Idee kommen, alle mit dem gleichen Schuh einzukleiden – nur in der Medizin.

00:00:45: Da machen wir oft genau das!

00:00:51: Wir setzen

00:00:51: auf bewährte Behandlungen für eine Krankheit.

00:00:54: Nur eben bewährt beim Durchschnittspazienten und dabei vergessen wir genau diese Unterschiede.

00:01:00: Die Vision der Präzisionsmedizin ist eigentlich dass ich zum Arzt gehe Eine ganze Batterie von Tests gemacht werden, die ein total klares präzises Bild von mir entwerfen.

00:01:09: Von mir und meinen genetischen Veranlagungen, meinem Lifestyle aber eben auch mal der Krankheit, meine Symptome und der Arzt oder die Ärzte dann wirklich sagen kann, aha hier ist ganz klar diese Therapie vorzuziehen allen

00:01:20: anderen.".

00:01:21: Noch ist das aufwendig und teuer – wie Maas geschneiderte Schuhe eben auch!

00:01:25: Es könnte aber bald genauso zugänglich sein wie in Einheitslatschen.

00:01:31: Das ist Quantensprung, ein Podcast aus der Wissenschaftsredaktion der NCZ.

00:01:35: Jede Woche prüfen wir Ideen, die unser Leben verändern könnten und wie aus Forschung Realität wird.

00:01:41: Heute wollen mein Kollege Georg Rüschemeier und ich wissen….

00:01:44: Wie kann Präzisionsmedizin wirklich seiner besseren Behandlung von Krankheiten führen?

00:01:50: Ich bin Lena Waldler – Und für die Sommerferien habe ich etwas für euch treue Podcast-Hörer!

00:01:56: Ihr könnt eine woche lang NCZ Artikel gratis lesen in der App und online ganz unverbindlich.

00:02:03: Alle Infos findet ihr in der Folgenbeschreibung.

00:02:06: Und damit willkommen zur Quantensprung!

00:02:18: Michael Snyder fällt ein hartes Urteil über sein eigenes Fachgebiet.

00:02:22: Die Medizin sei kaputt,

00:02:28: denn

00:02:29: jeder Mensch reagiert anders auf Medikamente, umwelteinflüsse und Krankheitserreger.

00:02:34: Doch die Art, wie viele Krankheiten behandelt werden, spiegelt das eben nicht wieder.

00:02:49: So können wir noch einfach direkt an die Wand werfen und schauen was hängen bleibt – beklagt der Professor an der Universität Stanford.

00:03:07: Anfangs sprach man von personalisierter Medizin oder auch individualisierte Medizin.

00:03:12: In der Krebsforschung spricht man oft von sogenannten targeted therapies und inzwischen hat sich der Begriff Präzisionsmedizin so ein bisschen durchgesetzt.

00:03:20: Bei all diesem Begriffswürvar kann man aber doch zwei wichtige Unterscheidungen machen.

00:03:23: Und zwar einmal gibt es diese wirklich total individualisierten Therapien, die gibt's auch schon und die sind natürlich auch extrem spannend.

00:03:30: Das heißt das ist diese Idee dass man eine genau passende Therapie überhaupt erst entwickelt.

00:03:34: Bei Schuhen würde das heißen?

00:03:36: Manche brauchen einen Schuh nach Maß... ...und anderen passt auch ein Standardmodell!

00:03:40: Aber eben in einer Halbgröße.

00:03:45: Wir schauen uns heute die Stratifizierung an von Patienten.

00:03:49: Das heißt, die Einteilung von vielen Patienten, die auf dem ersten Blick das Gleiche haben in vielleicht etwas schwerer zu erkennende Untergruppen und das ist der Bereich der Präzisionsmedizin, der glaube ich das meiste Potenzial für die meisten Menschen hat weil wir dann eben für jede Patientengruppe die richtige Therapie finden können.

00:04:05: Diese Unterteilung ist am weitesten in der Krebsmedizin fortgeschritten.

00:04:09: Ja, es gibt ein sehr klassisches Beispiel.

00:04:10: Und zwar ist das die Behandlung der sogenannten chronischen myologischen Leukämie.

00:04:15: Das ist einfach eine Spezialform von Blutkrebs.

00:04:17: Die ist nicht sehr häufig aber auch nicht ganz selten Behandelte man bis zur Jahrtausendwende ungefähr entweder mit einer Chemotherapie, aber vor allem mit einer sogenannten Knochenmarkstransplantation.

00:04:27: Das ist echt ein harter Eingriff und die Erfolgsquoten waren auch nicht so ganz perfekt.

00:04:31: Und heutzutage, fünfundzwanzig Jahre später kann man sie mit einer kleinen Tablette einmal täglich genommen, die fast keine Nebenwirkungen hat eigentlich wunderbar unter Kontrolle halten.

00:04:39: Ein Leben lang.

00:04:39: die Patienten haben also überhaupt keine verkürzte Lebenserwartung mehr gegenüber gesunden Vergleichspersonen.

00:04:45: Diese

00:04:45: kleine Tablette wirkt aber eben nur bei einer ganz bestimmten Form von Leukämie.

00:04:50: Der Hintergrund von dieser Geschichte ist, dass die Krebsentstehung für diese spezielle Formen von Leukämie hängt damit zusammen.

00:04:57: Dass sich da zwei Chromosomen in der betroffenen Zelle es eins auseinandergebrochen und dieses Bruchstück hat sich an ein anderes dran geklebt und dadurch entsteht so ein mutiertes Gehen.

00:05:06: das signalisiert nämlich der Zelle durchgehend einfach nur sich zu teilen und eben zur Krebszelle zu werden.

00:05:13: Dass diese eine Therapie für diesen speziellen Krebs die beste Heilung verspricht?

00:05:18: Das findet einen Tumorbord heraus!

00:05:20: So eines Tag zum Beispiel am Freitagnachmittag, am Nationalen Zentrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg.

00:05:27: Onkologen, Strahlentherapeuten, Chirurgen aber auch Bioinformatiker und Genetika sitzen stundenlang zusammen.

00:05:35: Sie sprechen jeden einzelnen Fall jedem Patienten genau durch Und suchen gemeinsam nach der Bestbehandlung.

00:05:43: Das nennen sie ein biologisches Profiling

00:05:46: Und je nach dem was das biologische Profiling der Erkrankung Ergibt kann man dann seine Medikamente auswählen und geht nicht mehr irgendwie mit einer once-highs fits all Chemotherapie zu Werke.

00:05:58: Einer der Ärzte ist der Onkologe und Abteilungsleiter am Deutschen Krebsforschungszentrum Stefan Frölling, für die Diagnose ist echte Detektivarbeit gefragt – und die Hilfe von OMIX, eine Analyse des ganzen Körpers.

00:06:18: Also wir brauchen Gewebe?

00:06:20: um aus dem Tumorgewiebe DNA und RNA in der Regel zu gewinnen, teilweise auch Proteine.

00:06:26: Zuerst schauen die Ärzte im Tumorbord auf die Genomeg.

00:06:30: Sie zoomen in die Zelle und untersuchen das Erbgut.

00:06:33: Die Basis von jeder Krebserkrankung ist eine Veränderung in diesem Erb-Gut.

00:06:39: Wir alle haben unser Erbglut in jeder einzelnen unserer Zelle in Formen von DNA verteilt auf fortyzehn Chromosom.

00:06:45: Diese daran gespeicherte Information, die bestimmt eben wer wir sind.

00:06:48: Sie steuert alle unsere Lebensfunktionen von der einzelnen Zelle bis hin zum gesamten Organismus.

00:06:53: Genau in diese Bauanleitung kann sich Fehler einschleichen.

00:06:56: das sind eben diese berüchtigten Mutationen.

00:06:59: und wenn es dumm läuft dann führen diese Mutatione dazu dass eine Zelle krebshaft entartet sagt man.

00:07:05: Im Alltag ist halt die Genetik wirklich wichtig geworden weil da ist die Technologie relativ weit relativ robust und auch vergleichsweise bezahlbar.

00:07:16: Jetzt kann man sowohl in das Genom einer gesunden Zelle gucken, als auch in die Gene eine Krankenzelle und man kann sehr genau herausfinden was hat sich in der Krankenzell gegenüber den Gesunden verändert damit sie jetzt zum Beispiel zu einer Tumorzelle geworden sind?

00:07:29: Und wenn man jetzt erstmal weiß was genau die Grundlage ist für diese Veränderung der Zellen dann hat man auch eine viel bessere Chance passende Therapien zu finden die jetzt genau auf diese Veranderungen passen.

00:07:40: Und es gibt halt auch Fälle, wo die Genetik nix liefert.

00:07:42: Also wo man dann irgendwie sagt ne ja so die Gene sagen uns jetzt eigentlich nicht was den Tumor antreibt.

00:07:48: Genau deshalb setzt das Tumorbord rund um Stefan Fröhling nicht nur auf die Analyse der Gene also die genomic sondern auf einige weitere Omics.

00:07:58: Man spricht von Multi-Omics.

00:08:00: Diese Analyselverfahren sollen ein noch genaueres Bild der Vorgänge zeichnen die im kranken Körper schieflaufen.

00:08:08: Was wir uns gerade anguckt haben, diese Genomik.

00:08:10: Da geht es darum was steht im Bauplan für die Enzyme, die unser Leben sozusagen bestimmen?

00:08:15: Jetzt wird aber in der Zelle von diesem Bauplan bevor das umgesetzt wird erst mal eine Abschrift gemacht.

00:08:21: aus DNA wird RNA und diese RNA-Abschrift kann man sich eben auch angucken.

00:08:26: und das interessante daran ist dass man dann sieht nicht nur was könnte hier alles passieren in der zelle so wie ein Bauplan angelegt sondern man sieht auch was ist hier grade in dieser Zelle aktiv und welche Teile des Bauplans werden gar überhaupt nicht abgelesen, zum Beispiel.

00:08:40: Und da kann man z.B.

00:08:40: auch auffällige Abweichungen schon erkennen.

00:08:43: und wenn ihm das noch nicht reicht dann kann man sich die Proteomike angucken ist die nächste Omik Das ist praktisch die Gesamtheit aller Eiweiße in der Zelle.

00:08:51: also aus dieser RNA Abschrift werden dann Proteine produziert Eiweisse die aus einzelnen Aminosäulen zusammen gebaut werden und wahnsinnig vielfältig sein könnten.

00:09:01: Und die Proteomik guckt sich eben auch genau an, welche von diesen Eiweißen in der Zelle wirklich vorkommen.

00:09:06: Weil es könnte ja sein dass im letzten Schritt diese Umwandlung in echte Eiweiße doch irgendein Mechanismus wieder gesagt hat nein dieses Transkript hier wird nicht abgelesen und nicht umgesetzt und das passiert auch tatsächlich.

00:09:17: und deswegen ist jetzt auch nochmal eine zusätzliche Information die man kriegen kann welche Proteine liegen wirklich tatsächlich vor in der Zelle?

00:09:24: Schritt für Schritt arbeitet sich das Tumorboard, also von der Genomik zur Proteomik und wenn es immer noch kein klares Bild ergibt dann gehen die Krankheitsdetektive weiter zu den nächsten Omics.

00:09:36: Ja es gibt da noch die Metabolomik weil viele dieser Proteine über dich gerade sprach sind ja Enzyme die irgendeine Funktion in eine Zelle übernehmen.

00:09:44: auch so ein klassisches Beispiel ist die Amylase im Speichel die aus Stärke im Brot Zucker macht.

00:09:49: das merkt man.

00:09:49: wenn man länger so ein Brot im Mund behält dann schmeckt das irgendwann ganz süß.

00:09:53: Und auch da kann man natürlich wieder so eine Omik machen.

00:09:55: Das heißt, man guckt sich nicht nur irgendwie die Amylase an und nicht nur die Stärke sondern man guckt sich alle Stoffwechselvorgänge, die man überhaupt testen kann an, die in einer Zelle ablaufen können und guckt sind davon irgendwelche zum Beispiel auffällig verstärkt oder

00:10:08: runtergefahren.".

00:10:09: Am Ende bekommt das Tumorbolt ein umfassendes molekulares Bild des Körpers

00:10:14: Und dann brauchen wir natürlich klinische Informationen.

00:10:17: Also müssen die Vorgeschichte kennen, müssen wissen was hatte der Mensch schon für Therapien?

00:10:21: Wie ist er sonst so drauf?

00:10:22: Diese Informationen wertet das Tumorboard dann gemeinsam aus.

00:10:30: Also jetzt an einem Zentrum wie unserem wenn da Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung kommen.

00:10:36: es ist schon nahezu Standard dass man eine sehr breite molekulargenetische Testung macht.

00:10:42: Bei einer so individuellen Behandlung müsste die Erfolgsquote doch eigentlich sehr hoch sein.

00:10:48: Doch das ist sie nicht immer.

00:10:49: Die Patienten, die an so einen Zentrum wie in Heidelberg kommen und die dann in so einem Tumorboard besprochen werden, das sind meistens Patienten, der schon eine lange Behandlungsgeschichte hinter sich haben, eine lange Krankheitsgeschichte bei denen der Tumo oft schon weit fortgeschritten ist, die schon alle möglichen Standardtherapien ausprobiert haben bevor sie jetzt vor diesem Tumorbord sozusagen nochmal diskutiert werden und geguckt wird.

00:11:10: was gibt es denn hier noch für Möglichkeiten?

00:11:12: Also ich würde sagen erworbene Resistenz gegenüber den Medikamenten ist ein Riesenproblem.

00:11:17: Es ist ein bisschen, als hätte man schon ganz viele Blasen an den Füßen.

00:11:20: Weil kein Schuh jemals richtig gepasst hat und dann schmerzen natürlich sogar die maßgeschneiderten Schuhe.

00:11:27: Die Spezialbehandlung kommt eigentlich zu spät Denn so ein Tumor Board ist absolut nicht der Standard.

00:11:34: Ja, das liegt vor allem an zwei Gründen.

00:11:36: Also erstens ist so ein Tumorboard natürlich sehr zeitaufwendig und ressourcenintensiv.

00:11:40: da sitzen weiß Gott wie viele Experten stundenlang zusammen um besprechen sehr sehr ausgeblich jeden einzelnen Patienten.

00:11:46: Und das andere ist vielen Patienten reich der die Durchschnittsbehandlung dass es oft ziemlich effizient ist erstmal zu probieren.

00:11:53: insofern brauchen wir nicht immer die Präzisionsmedizin vielleicht.

00:11:57: Das Problem ist natürlich, die Leute bei denen diese Standardtherapien nicht so gut funktionieren.

00:12:00: Die sind umso länger im Gesundheitssystem und warten jahrelang unter Umständen darauf, dass endlich die richtige Therapie gefunden wird.

00:12:08: Und das ist natürlich sehr schlecht für diese Patienten.

00:12:10: Es hilft aber auch dem System nichts wenn man jahrelang falsch behandelt.

00:12:14: Ich

00:12:14: würde grundsätzlich auf dem Standpunkt stehen Wenn man eben die richtige Terapie auswählen kann sollte das eigentlich in letzter Konsequenz kosteneffizient sein weil man vermeidet ganz viele Therapien von denen man vorher eigentlich schon wissen kann, das wird nicht wirken.

00:12:30: Mit allen Folgekosten und Leute liegen im Krankenhaus haben Nebenwirkungen ohne Ende.

00:12:34: also da sehe ich ein gewisses

00:12:36: Einsparpotenzial.".

00:12:37: Deshalb hofft Stefan Fröhling dass in Zukunft eine präzise Diagnose viel früher und einfacher gemacht werden kann.

00:12:45: Multiormix für alle und im Schnelldurchlauf.

00:12:48: Die Traumvorstellung wäre, daran wird ja auch gearbeitet, dass man sehr frühzeitig quasi Blutproben entnehmen kann beginnende Tumorentwicklung sehen kann und man dann in Anführungsflächen nur den Chirurgen bittet, nehmt ihn raus.

00:13:03: Und das Problem ist

00:13:04: erledigt.".

00:13:06: Genau in solchen Tests arbeitet Michael Snyder in Stanford.

00:13:09: Er will jegliche Krankheiten so früh wie möglich entdecken – dann wenn noch alle Möglichkeiten zur Behandlung offen sind!

00:13:16: Und das Versuchskaninchen für diese Forschung?

00:13:18: Das ist der selbst.

00:13:20: Wir sind gleich zurück...

00:13:46: So.

00:13:59: Seit

00:13:59: vielen Jahren überwacht er nicht nur sein eigenes Erbgut, sondern macht eben auch proteomische Analysen.

00:14:04: Guckt auf seinen Stoffwechsel und das eben regelmäßig damit man auch Veränderungen sehen kann.

00:14:09: Er liefert alle paar Wochen Urin- und Stuhlproben ab in sein eigener Labor.

00:14:14: Er hat uns im Interview per Videocall auch seine, ich weiß nicht so wann, glaube ich vier verschiedenen Smartwatches oder Variables an seinen Handgelenken gezeigt.

00:14:23: Also er vermisst sich wirklich nach Strich und Faden bei Tag und Nacht.

00:14:26: in den letzten neun Jahren noch ein Beispiel hat er allein Vierundzwanzig MRE Ganz-Körper Scans gemacht.

00:14:32: was andere Leute vielleicht am Leben machen macht er sozusagen alle paar Monate Passt ja alles ganz gut zu seiner Idee, nämlich Daten.

00:14:40: Je mehr ich davon sammle, desto bessere Schlüsse kann ich nachher auch draus ziehen.

00:14:44: und man muss natürlich auch sagen es leider ist nicht nur Forscher also erst vor allem Forscher aber er hat auch eine ganze Reihe von Startups gegründet oder mitgegründete um aus seiner Forschung in den USA ein bereits ganz gut laufendes Business

00:14:56: zu machen.

00:14:57: Eines der Unternehmen hat sich auf Bluttest spezialisiert Denn Snyder ist der Meinung, dass nur mehr Daten zu einer besseren Diagnose und zu einer besseren Behandlung führen können.

00:15:13: im einzigen Tropfen Blut reicht dafür wahrscheinlich nicht.

00:15:15: Vielleicht braucht man ein paar mehr Tropfen oder auch ein ganzes kleines Reagenzglas voll, aber das ist ja eigentlich auch nicht so.

00:15:20: der entscheidende Punkt würde ich mal sagen.

00:15:22: Man kann die mit diesen ganzen Omics schon wahnsinnig viele Daten erfassen, die auch wirklich aussagekräftig sind und man kann in Blutproben alle möglichen Biomarker nachweisen, man kann Genome auswerten – und ich glaube all das bringt uns dieser ursprünglichen Idee schon ein Stück weiter!

00:15:38: from millions and millions of health records, see how people with certain genotypes respond to certain medications well.

00:15:51: Steiner sammelt ja nicht nur von sich oder einzelnen Patienten eine Unmenge von Daten sondern wenn man diese Daten von vielen Leuten sammlt dann hat man irgendwann einen riesigen Datenbank in der all diese Daten drin liegen und die birgt ganz neue Möglichkeiten einfach Dinge zu erforschen und Zusammenhänge festzustellen.

00:16:18: Also zum Beispiel auf die Basis von diesen DNA-Daten in einer großen Datenbank könnte man eben auch gucken, welche genetischen Varianten reagieren gut auf das Medikament A. Welche reagieren besser auf B?

00:16:31: In allen möglichen Dimensionen kann man schauen, wie genetische und diese ganzen anderen Datensätze die man da gespeichert hat mit dem Therapieerfolg zum Beispiel korrollieren.

00:16:39: Diesem Therapierfolg muss ein Tumorbolt ja noch ständig kontrollieren.

00:16:44: Sie müssen die Therapie auch anpassen wenn sie merken, die wirkt nicht mehr oder sie müssen auf eine andere umschwenken.

00:17:01: Schneider ist sich sicher, dass er mit all den Daten aus der Genomik, aus der Proteomik und aus der Metabolomik – und allen anderen Omics Krankheiten besser überwachen kann.

00:17:15: Tumorboards wie jenes von Stefan Fröhling stellt aber diese Datenmenge vor ein Problem.

00:17:21: Die vielen Datenpunkte zeigen zwar ein genaures Bild vom Menschen und seiner Krankheit ….

00:17:26: Aber irgendwann wird dieses Bild auch völlig unübersichtlich!

00:17:29: Frölling setzt deshalb große Hoffnung auf künstliche Intelligenz.

00:17:35: Und dann, was glaube ich so der Holy Grail ist und da kommen auch die ersten Papers – jetzt ist aber noch ein Forschungsfeld dass man die KI oder so KI-Agenten sogar autonomen Entscheidungen fällen lässt.

00:17:50: Also diese riesen Datenflut, die man da erhält muss ja irgendwie eingedämmt werden und genau dafür wäre natürlich KI eigentlich super um dann in Zusammenfassung zu machen.

00:17:58: Das Idealziel wäre eben dass die KI wirklich aus der Gesamtheit dieser ganzen Daten zu einem konkreten Patienten schon die wichtigsten Informationen rauszieht, die zusammen fasst und sagt auf Basis dieser ganzen Information ist wahrscheinlich Therapie A B oder C die vielversprechendste.

00:18:16: Dann, ich glaube die Königsdisziplin wäre aber das ist noch keine Realität im Alltag dass man auch die genetischen Daten KI gestützt bewerten lässt.

00:18:35: Georg heißt es wir brauchen noch mehr Daten noch mehr Tests und mehr medizinische KI damit Präzisionsmedizin zu einer besseren Behandlung von Krankheiten führen kann.

00:18:46: Also es gibt natürlich schon wahnsinnig viele Methoden, wie die besprochene Genomik oder die Proteomik.

00:18:50: Da gibt's sicher auch noch Potential für noch bessere und noch präzisere Testmethoden.

00:18:55: aber ich denke wie Snyder das auch ein bisschen sagt immer noch mehr Daten zu sammeln führt irgendwann auch nicht mehr wirklich viel weiter.

00:19:01: wir müssen diese Daten auch verstehen lernen und wirklich wissen was davon wichtig ist und was vielleicht nicht so wichtig ist.

00:19:06: dabei könnte uns aber auch tatsächlich die KI ganz gut helfen glaube ich um diesen Datenwust dann doch wieder einzuhägen und besser verstehen zu können.

00:19:14: Und dann könnte Präzisionsmedizin auch breiter verfügbar sein und eben nicht nur in Spezialkliniken oder irgendwelchen Forschungsabteilungen.

00:19:21: Das ist eben auch das große Problem, wie kriegt man jetzt diese Errungenschaft die es durchaus gibt viel mehr an die Breite als bisher?

00:19:28: Ich denke auch da könnt ihr zum Beispiel KI helfen wenn es nicht mehr so aufwendig ist ein Tumorboard zu bestücken und sich regelmäßig zu treffen.

00:19:35: Dann würde es natürlich auch total helfen dass das auch in kleineren Krankenhäusern zb passieren kann.

00:19:40: Professor Snyder stellt sich so ein bisschen vor, man könnte Anturon-Board auch in der Hosentasche haben.

00:19:43: Dass einem das Handy dann sozusagen das Ergebnis schon vorwegnimmt?

00:19:46: Das weiß ich nicht!

00:19:47: Ich glaube mal muss auch den Newman In The Loop behalten wie man es so schön sagt.

00:19:50: aber da ist einiges möglich denke ich.

00:19:52: Dann könnte das auch für andere Krankheiten eingesetzt werden stelle ich mir vor

00:19:56: Also da wird ja auch schon total viel dann geforscht.

00:19:58: Wir haben jetzt heute hauptsächlich über Krebsmedizin gesprochen, weil das auch ein schönes Paradebeispiel ist, weil Krebs eben auch meistens genetisch bedingt ist.

00:20:05: Ein anderes schönes Beispiel sind so seltene genetische Krankheiten.

00:20:08: Auch da gibt es erhebliche Fortschritte wo man einfach viel genauer diagnostizieren kann was genau dem Menschen fehlt dann auch wirklich bessere Therapien zur Verfügung hat.

00:20:16: Die anderen Volkskrankheiten jetzt wie Diabetes und Herz, das ist die nächste große Grenze.

00:20:21: Diesen Schwieriger, diesen Komplexer als Krebs was die Ursachen angeht und die Gemengelage aber auch da gibt es eben total viele vielversprechende Ansätze.

00:20:29: Präzisionsmedizin ist also trotz all der Buzzwords, die wir heute gehört haben mehr als ein Hype würdest du sagen?

00:20:35: würde ich schon sagen, ja?

00:20:36: Ich glaube jeder halb verläuft er so.

00:20:37: Erst mal gibt es diese große Welle die nach oben gilt.

00:20:40: alle reden drüber sind total begeistert.

00:20:42: das werden Versprechungen gemacht die nach purm Wahnsinn klingen.

00:20:45: dann kommt meistens das tiefe Teil der Enttäuschung in dieser klassischen Halbforschung und was dann kommt und ich hoffe da sind wir jetzt ungefähr angekommen ist dieses Plateau des konstruktiven entwickeln sozusagen.

00:20:57: Also da, wo dann dieses Buzzword wirklich zeigen kann was in ihm steckt und ich bin da glaube ich ziemlich optimistisch dass die Ansätze doch ziemlich hilfreich sein werden jetzt und in Zukunft.

00:21:05: Danke dir Georg!

00:21:07: Gerne

00:21:08: Für die Präzisionsmedizin ist also wichtig.

00:21:11: jeder Körper ist einzigartig aber eben nicht jede Krankheit.

00:21:15: so ist es ja auch ein bisschen wie wenn wir Schuhe kaufen gehen.

00:21:17: für viele ist der Standard-Schuh Größe vierzig schmal geschnitten genau richtig.

00:21:22: manche brauchen einen Schuh in einer halbgrößer werden auch eine Spezialanfertigung brauchen.

00:21:28: Und was am besten passt?

00:21:30: Das zeigt eine präzise Diagnose!

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